Experiment Clickertraining
21.12.2008, 17:30 Uhr
Alter: 9 Jahre


 




Immer auf der Suche, nach Beschäftigungsideen für den spielfaulen und trägen Whisky, ließ mich der Gedanke an Clickertraining nicht mehr los. Da whisky für Futter relativ viel tut, hatte ich im Hinterkopf, dass ich ihn irgendwann vielleicht damit durch eine Art Fitness-Parcous jagen könnte, was seiner Figur zugute kommen könnte, wenn er schon nicht spielt. Also bestellte ich erst mal einen Clicker und ein Buch.

Der Clicker war von Karlie, und als ich ihn erstmals ausprobierte, bin ich fast selber erschrocken, weil er so laut war. Ich war sehr skeptisch und konnte mich noch nicht durchringen, mit dem Training anzufangen. Helena von www.katzenfummelbrett.ch, die sehr viel Erfahrung mit Clickertraining hat, gab mir dann den Tipp, den deutlich leiseren und sehr viel handlicheren i-click von Karen Pryor zu bestellen. Sie hatte auch absolut recht damit: Er ist sehr viel leiser und durch einen vorstehenden Knopf im gegensatz zur versenkten Metallscheibe beim Karlie-Clicker sehr viel exakter zu bedienen. Ich bestellte auch gleich noch einen ausziehbaren Target-Stab.

Die erste Konditionierungs-Übung besteht ja darin, die Katzen daran zu gewöhnen, dass es nach einem Click ein Leckerli gibt, also erst mal nur clicken und dann innerhalb einer halben Sekunde sofort ein Leckerli folgen lassen. Das habe ich in einem Moment gemacht, als Whisky ans Fummelbrett gehen wollte und damit gezeigt hat, dass er ohnehin was naschen möchte - ich wollte nicht noch mehr Futtereinheiten einführen. Das hat auch ganz gut funktioniert. Whisky war sehr neugierig und wollte gleich am Clicker riechen, was ich auch belohnt habe.

Diese Neugier wollte ich natürlich weiter ausnützen und wollte nach Empfehlung von Helena auch sehr schnell eine Target-Übung folgen lassen. Also habe ich den mitbestellten Target-Stab ausgepackt und vor Whisky hingehalten. Auch daran wollte er überraschenderweise sofort schnuppern und die erste Übung hat damit quasi von selbst funktioniert. Als er die Spitze mit der Nase berührt hat, gab es wieder Click und Leckerli. Das ganze ein paar Mal, bis er genug gefressen hatte und die Übung von sich aus beendete.

Nachdem Bailey die ganze Zeit ruhig zugeschaut hatte und Whisky sowieso nach draußen verschwunden ist, dachte ich, wieso nicht gleich auch probieren (obwohl ich das eigentlich nicht vorhatte, weil ich es mir mit 2 Katzen, die das Geräusch KENNEN, in der Folge sehr schwer vorstelle, eine einzeln zu clickern). Also hat sie auch erst einige Leckerlis auf Click bekommen, dann hab ich ihr auch den Target-Stab hingehalten. Auch sie wollte aus Neugier dran schnuppern. Bei ihr hatte der Stab in Verbindung mit dem unbekannten Geräusch, bei dem sie eher erschrocken ist, eine negative Wirkung, denn weil ich gleichzeitig geklickt habe, wenn sie mit der Nase dran kam, hat sie dann immer die Augen zugekniffen, als würde ihr der Stab was tun. Das Ganze auch, wenn ich den Stab in der anderen Hand hielt als den Clicker. Und nach ein paar Klicks hat sie die Augen wie zum Schutz schon zugekniffen, wenn sie mit der Nase nur in die Nähe des Stabs kam... das hat zum Schießen ausgesehen - als ob es ihr jedes Mal eine wischen würde. Dass sie überhaupt noch mitgemacht hat, lag vielleicht tatsächlich am positiven Lerneffekt durch das Leckerli. Denn wenn ich den Stab vor ihrer Nase hochgehalten habe, ist sie sogar aus einer kauernden Position in die sitzende Position gegangen. Nach 2 Tagen mit solchen Übungen wurde es ihr aber dann irgendwann zu bunt und sie ließ sich nicht mehr motivieren, sondern ist vor dem Stab davongelaufen.

Mit Whisky hab ich jeden Tag weitergemacht und es inzwischen sogar geschafft, dass er nur mit dem hochgehaltenen Target-Stab Männchen macht und nicht mit hochgehaltenem Leckerli, wie er es schon seit einigen Monaten kann.

Manchmal - besonders, wenn er schon eingies an Leckerlies hatte - hatte ich das Gefühl, dass er plötzlich nicht mehr kapiert, dass er dem Stab mit der Nase folgen soll; auch wenn der Stab zu weit weg ist von der Nase oder ich ihn bewege, sodass er ihm einen Schritt folgen soll, hat er es noch nicht ganz raus.  Aber immerhin ein Anfang und er hat begeistet mitgemacht, weil Leckerlis aus der Hand eben die besten sind. Er ist ja sooo bestechlich. Ich habe auch mal versucht, den Stab an einen Stuhl zu halten, sodass er vielleicht hinaufspringt. Aber das war dann wohl doch zu viel für den Anfang.

Helena hat mich dann nach meinem ersten Erfahrungsbericht aufgeklärt, dass ich viel zu schnell vorgehe. Auch soll nicht Whisky die Übungen beenden, sondern sie sollen bewusst kurz gehalten werden, also möglichst nur ca. 5 Leckerlis und dann die Übung beenden. Lieber öfter kurze Einheiten einlegen, damit er nicht die Lust verliert. Danach versuche ich mich jetzt zu richten.

Das Buch von Martina Braun "Clickertraining für Katzen" verschafft zwar einen guten Überblick, was man alles mit Clickertraining machen kann, aber irgendwie kam es mir zu wenig strukturiert vor, es ist eben keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die eine genaue Reihenfolge vorgibt oder ein System, womit man anfangen soll. Was mir darin aber am meisten fehlt, ist der zeitliche Aspekt und das richtige Timing. Wann merkt man, dass man einen Schritt weitergehen kann? Wie lange soll man überhaupt die selbe Übung machen, bevor man eine neue anfängt? Und eben die Tatsache, wie lange eine Übungseinheit aussieht.

Das ultimative Buch mit allem was man wissen muss, ist anscheinend das von Birgit Laser, ich habe es mittlerweile auch über den Shop auf ihrer Homepage gefunden (erschien nur im Eigenverlag) und bestellt. Inzwischen habe ich erfahren, dass es eigentlich vergriffen ist, jetzt hoffe ich sehr, dass ich noch eines bekomme.

Darauf warte ich jetzt, denn im Moment bin ich etwas planlos, wie es weitergehen soll und mache im Moment immer noch die Target-Übung mit dem ruhig gehaltenen Stab, seit gestern bewege ich ihn höchstens mal 5 cm, bevor Whisky ihn mit der Nase erreicht. Um die Übungseinheit abzukürzen, lasse ich ihn am Schluss Männchen machen und gebe ihm dann mehrere Leckerlis auf einmal als Abschluss. Was ich geändert habe ist, dass ich nicht mehr erst die Leckerlis aus der Schublade hole - das war für Whisky logischerweise immer das Zeichen, dass er herkommt -, sondern nur den Stab ausziehe und Whisky den erst mal berühren muss, bevor ich die Leckerlis hole.

Whisky reagiert bei Clicker-Sitzungen ganz unterschiedlich (wahrscheinlich je nach Appetit...  ). Mal hat er sehr viel Interesse und es funktioniert so gut, dass es mich selber überrascht. Vor 2 Tagen, als ich mir eigentlich vorgenommen hatte, wieder ganz langsam zu machen, ist er mir schon entgegen gerannt, als ich den Stab genommen habe, dann hatte ich ihn (unabsichtlich) an einen Stuhl gehalten - nicht mal auf die Sitzfläche, sondern nur an den Rand -, als ich mir ein paar Leckerlis in die Hand schüttete und plötzlich stand Whisky auf dem Stuhl (was NICHT funktioniert hatte, als ich es zuvor mal bewusst versucht hatte). Wenn ich am Boden SITZE, sind die Leckerlis in der Hand wohl einfach noch zu nahe, und er rennt mich fast über den Haufen und steigt gleich auf meine Knie. Wenn ich die Hand hinter meinem Rücken verstecke und er keines kriegt, solange er nicht den Stab mit der Nasenspitze berührt, kapiert er aber sehr schnell wieder, was zu tun ist. Aber es wäre nicht mein Vielfraß, wenn er nicht zuerst den einfachen Weg probieren würde. Er versucht dann aber natürlich den Stab zu erreichen, während er auf meinen Knien stehen bleibt und oft kriege ich ihn nur runter, indem ich die Stabspitze bewusst auf den Boden tippe (also nicht in Nasenhöhe). 

Dann wiederum gibt es Tage, wo es ihm zu mühsam scheint und er schon nach 3 Leckerlis keine Lust mehr hat oder sich nur schlecht konzentrieren kann, also z.B. scheinbar den Stab nicht sieht oder nur mit großen Augen ansieht, als wisse er gar nicht, was das soll, obwohl es am Vortag tiptop funktioniert hat. Er tut sich auch schwerer, wenn ich bei der Übung stehe und nicht direkt vor ihm sitze.

Da er der Typ Katze ist, der für Futter alles tut, aber nicht der Typ, dem es mehr um die Herausforderung und die geistige Beschäftigung geht, habe ich bis dahin immer noch sehr zügig belohnt, um ihn bei der Stange zu halten, und in den meisten Fällen die Sekunde wohl noch eingehalten. Seit gestern frage ich mich aber, ob das nicht ein Denkfehler ist und er sich so zu sehr an die schnelle Belohnung gewöhnt und sich dann kaum mehr auf eine längere Zeitspanne trainieren lässt. Schließlich gilt die kurze Zeitspanne nur für die erste Konditionierung auf den Clicker - der Clicker ist ja eigentlich genau dazu da, damit man eben NICHT sofort mit dem Leckerli parat stehen muss, sondern der Click das Zeichen ist, dass mit Sicherheit noch ein Leckerli folgt. Deshalb hatte ich heute KEINE Leckerlis in der Hand, sondern immer erst nach dem Click eines in die Hand genommen und so die Zeitspanne zwischen Click und Leckerli weiter erhöht. Whiskys Interesse war heute merklich kleiner, aber ich weiß nicht, ob das der Grund war - wie gesagt hat er unterschiedliche Tage.

Bailey habe ich nach dem negativen Erlebnis erst mal einige Tage komplett in Ruhe gelassen. Jetzt kriegt sie ab und zu unregelmäßig einfach ein paar Leckerlis nach Clicks, um sie daran zu gewöhnen. Aber ich mache kein Intensivtraining mit ihr, vorerst soll es ja Beschäftigung für Whisky sein. Bailey hat ihre Beschäftigung ja eher im Spiel.

Im Moment stehen wir also mit dem Clickern noch ganz am Anfang, aber es ist schon mal faszinierend, dass es zu funktionieren scheint und Whisky auch immer noch mitmacht. Wie gesagt, für Futter tut er viel...  Ob wir tatsächlich so weit kommen, dass er kleine Kunststücke lernt (Pfötchen geben oder High Five) oder sich mit dem Target-Stab durch einen Parcours führen lässt, müssen wir erst noch herausfinden. Ich werde weiter berichten.










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