Spieltherapie gegen Winterdepression
21.12.2008, 15:40 Uhr
Alter: 9 Jahre


 




Seit der Winter dieses Jahr so früh eingekehrt ist und Bailey beinahe in einer Winterdepression versunken wäre, läuft bei uns wieder das übliche intensive "Winterprogramm", das heißt, spielen und Katzenbeschäftigung, wann immer sie wollen.

Ich spiele jeden Morgen vor der Arbeit eine Stunde, in der Mittagspause gleich nach dem Essen die verbleibende halbe Stunde, bis ich wieder zur Arbeit muss, abends mindestens eine Stunde, je nachdem, wie lange die Katzen wollen, oft auch später noch eine zweite Einheit, und am Wochenende bestimmen die Katzen den "Stundenplan", da stehe ich ihnen ständig zur Verfügung.

Bailey spielt ja sehr gern, braucht und fordert es auch und spielt mit viel Körpereinsatz. Whisky spielt so gut wie nie, und wenn, dann nicht wirklich mit großartigen Bewegungen oder über längere Zeit. Gerade für ihn brauche ich aber langsam ein Notfallprogramm, ideal wäre ein Fitnessprogramm, denn er hat einen bedenklichen Umfang angenommen und ein Rekordgewicht von 6 Kilo erreicht. Er wiegt zwar im Winter immer deutlich mehr als im Sommer und im Sommer verschwindet auch wieder einiges, aber so schwer war er doch noch nie, und das Schwabbel-Hängebäuchlein hat auch erstmals eine fühlbare Speckschicht bekommen. Dabei hat der Winter doch erst angefangen. Ein großes Ziel ist es also auch, Whisky zum Spielen und zu etwas Bewegung zu bringen, und wenn das nicht funktioniert, ihn wenigstens vom Fressen abzulenken.

Whiskys Spielverhalten hat sich inzwischen deutlich gebessert, man braucht aber auch wirklich eine Eselsgeduld. "Gebessert" heißt bei ihm lediglich, dass er über längere Zeit mit INTERESSE dabei ist, dass er sich für das Spiel interessiert. aber nicht, dass er wirklich Körpereinsatz und Bewegung zeigt oder länger aktiv mitspielt.

Wenn ich morgens vor der Arbeit 1 Stunde spiele (hauptsächlich mit Bailey), liegt er aber jetzt immer daneben am Boden, statt sich auf's Fensterbrett zurückzuziehen und zu schlafen. Er schaut auch zu, die Pupillen werden oft sehr groß. Selbst wenn er die Augen halb oder fast ganz geschlossen hat, sieht man, wie er das Spiel mit den Augen verfolgt. Zwischendurch pfötelt er auch oder setzt sogar mal zum Sprung auf das Stoffband an, das ich unter einer Zeitung, einer Zeitschrift oder einem Handtuch durchziehe (derzeit DAS Spiel überhaupt bei uns, alles andere hat keine Chance). Wenn er ganz gut drauf ist, hat er sich sogar in letzter Zeit einzelne Male eingemischt, wenn ganz eindeutig Bailey am Spielen war, aber er hat sich dann konkret auf das Spielzeug und NICHT auf Bailey gestürzt. Das allein ist ein riesen Erfolg.

Aber nach 2 - 3x Pföteln legt er den Kopf auf den Boden und macht die Augen zu. Trotzdem geht er nicht weg, und auch das ist ein Erfolg und zeigt deutlich, dass es ihm gefällt und er es eigentlich genießt. Ein paar Minuten später kann er dann auch schnell wieder Interesse haben und wieder ein paar Mal pföteln. Aber am liebsten macht er das halt auf der Seite liegend. Mein Ziel wäre, ihn wenigstens 1x am Tag den Kratzbaum hochzujagen, aber das habe ich selbst in übermütigen Phasen noch nicht geschafft. Trotzdem ist es schon viel, was ich so erreicht habe, denn das ist immerhin auch geistige Beschäftigung und Ablenkung vom Essen (wenn er nicht nach 2x pföteln der Meinung ist, dass er jetzt die Beute erlegt hat und fressen muss ).

Es sieht jedenfalls so aus, als hätte er das Spielen wieder "gelernt" und fände langsam wieder etwas Spaß daran, auch wenn er eine total andere Auffassung davon hat als Bailey und ganz anders spielt. Er folgt einem Gegenstand eeeeewig mit den Augen, kann dann richtig "einfrieren" und den Gegenstand eine halbe Minute reglos fixieren und erst dann schießt plötzlich die Pfote vor. Da als "Animateur" nicht aufzugeben, braucht schon einiges an Durchhaltevermögen. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich eine halbe Stunde versucht habe, ihn zum Spielen zu bewegen, habe dann aufgegeben und mich wieder auf die Couch gesetzt und plötzlich fängt er an nach etwas zu pföteln oder holt sich mit einem Pfotenhieb die Fellmaus, die ich ihm schon 10 Minuten lang versucht habe schmackhaft zu machen, indem ich sie unter einem Handtuch oder einer Zeitung bewegt habe, dass nur die Nasenspitze rausgeschaut hat. Aber wenn ich mich dann wieder auf den Boden setze und weiterspielen will, ist seine aktive Phase auch schon wieder vorbei.

Angelspielzeug interessiert ihn nicht, Fellmäuse kaum, und wenn, dann kommt mir vor, nur weiße und auch nicht jede, und wenn er mal eine wirklich bearbeitet, lebt sie nicht lange...  Am zuverlässigsten locken kann man ihn eigentlich nur mit Schnüren aller Art. Bei ihm wären also immer speziell unwiderstehliche Spielideen gefragt und mir fehlen noch ultimative Ideen. Nur gegen den viel gelobten und immer wieder empfohlenen Laser-Pointer wehre ich mich noch immer, weil ich der Meinung bin, dass das einfach nichts Greifbares und kein richtiger Jagderfolg ist.

Indem ich auch immer bewusst versucht habe, eine Spieleinheit zu beginnen, wenn Bailey ausnahmsweise mal draußen war oder geschlafen hat (jetzt im Winter ist sie ja quasi ständig da), oder in den letzten Tagen auch mal, wenn er mit mir ins Bett gegangen ist und Bailey im Wohnzimmer geschlafen hat. Er hat zwar noch nie von sich aus konkretes Interesse gezeigt, dass er spielen möchte, aber Bailey hat sich bei jedem Spiel auch von klein auf bis heute immer extrem in den Vordergrund gedrängt. Whisky hat sich dann automatisch zurückgezogen. Durch seine eher träge Art und weil er eigentlich immer zufrieden und gut gelaunt ist, kann man bei ihm so überhaupt nicht sagen, ob er sich dadurch zurückgesetzt fühlt, zugunsten von Bailey verzichtet oder wirklich kein Interesse hat. Deshalb habe ich versucht, ihm bewusst das Gefühl zu geben, dass ich auch mit IHM spiele und er genauso mitspielen darf. Das ist mir gerade im Moment sehr wichtig, da Bailey aufgrund der vielen und langen Spieleinheiten im Gegensatz zu ihm wirklich sehr viel Aufmerksamkeit bekommt, auch wenn er sie nicht fordert. Vielleicht bilde ich es mir ein, aber auch wenn es kein Erdrutsch war, kommt mir schon vor, dass dieses Experiment ein bisschen was bewegt hat.

Bailey tun diese regelmäßigen Spieleinheiten mindestens 3x täglich auch extrem gut. Sie hat wohl eingesehen, dass der Winter und der Schnee bleibt, egal wie sauer sie ist und wie sehr sie den Winter boykottiert, hat sich endlich in ihr Schicksal gefügt und hat auch wieder angefangen zu spielen. Damit hat sie sich inzwischen sichtlich entspannt. Momentan sieht sie sogar richtig gut gelaunt aus, und es ist fast unheimlich, aber sie zeigt ihr wirklich saures Gesicht, das sonst im Winter ihr Standard-Ausdruck ist, so gut wie nie mehr und zeigt auch kein bewusst provozierendes Verhalten, das meine ständige Aufmerksamkeit fordert. Naja, wann auch, ich stehe ihr ja immer zur Verfügung, sobald ich zuhause bin...

Höchst interessant und wirklich faszinierend ist es, wenn morgens beide Katzen am Boden liegen und mir beim Spielen zusehen oder mitspielen. Durch Whiskys eher grobe Art und auch seine Jagden auf Bailey bei Langeweile hat Bailey innerhalb des letzten Jahres eine deutliche Distanz zu ihm aufgebaut. Das Verhältnis war nicht mehr wirklich gut und hat mir schon Sorgen gemacht. Wenn er ihr nur zu nahe kommt, verteilt sie sofort Ohrfeigen. Wenn sie dann aber beim Spiel so am Boden liegen, waren in der letzten Zeit oft wirklich nur 30 cm Abstand dazwischen, und beide waren friedlich. Whisky hat meist nur zugeschaut, Bailey hat sich durch das Spielzeug ablenken lassen (oft hat sie dann völlig überrascht festgestellt, dass sie sich plötzlich Auge in Auge mit Whisky befindet...), Whisky hat aber dann auch keine Anstalten gemacht, sie zu jagen. Dadurch dass Whisky sie aber dann auch in Ruhe lässt, wenn er so nahe bei ihr liegt, hat Bailey wohl auch wieder etwas Selbstvertrauen getankt und reagiert nicht mehr so übertrieben misstrauisch, wenn er mal etwas näher kommt. Vorher hat sie ja teilweise noch mit einem Meter Abstand gefaucht oder eine Pfote gehoben. Sie lieben sich zwar nicht heiß und innig, Bailey verteilt natürlich trotzdem noch manchmal Ohrfeigen, es gibt auch immer noch Verfolgungsjagden bei denen Bailey schreit wie am Spieß, aber mir kommt das Verhältnis sogar entspannter vor als im Sommer, obwohl es sonst im Winter eher eskaliert ist. Ob es was genützt hat, dass ich bei den letzten Kämpfen öfter mal selber fauchend dazwischengegangen bin  und sie beide jedes mal völlig erschrocken den Kampf unterbrochen und nach der Monster-Katze gesucht haben , weiß ich nicht.  Ich dachte erst, die Kämpfe fechten sie jetzt eben in ihrer aktiveren Vormittagsphase aus in der Zeit, wo ich bei der Arbeit bin, aber dieses Wochenende ist es tatsächlich nicht zu einer einzigen Verfolgungsjagd mit Geschrei gekommen! Die Feiertage und die dadurch sehr langen Wochenenden an Weihnachten und Silvester werden zeigen, ob das nur Zufall war.

Auch Bailey hat ihr Verhalten faszinierend verändert. Dadurch, dass ich, auch wenn ich mir IHR beim Spielen bin, das Stoffband immer mal wieder zu Whisky schwinge oder es unter einer vor ihm liegenden Zeitung durchziehe, um ihm zu zeigen, dass das Spiel BEIDEN gilt und er jederzeit mitspielen darf, drängt sie sich nicht mehr immer sofort dazwischen, sondern wenn Whisky dann auch mal kurz mitspielt, wartet sie plötzlich ganz geduldig. Früher gab es nur 2 Möglichkeiten: Entweder sie drängte sich so dazwischen, dass wieder nur sie spielte und Whisky gar keine Chance hatte, oder sie ging beleidigt aus dem Zimmer. Jetzt schaut sie zu, bis sie wieder an der Reihe ist und schaut dabei nicht mal besonders beleidigt aus. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber in der Mehrheit der Fälle ist es mittlerweile so. Dass sie natürlich trotzdem noch einen gesunden Respekt vor Whisky hat, ist dabei auch hilfreich. Der einzige kleine "Nachteil" am Spiel mit beiden Katzen gleichzeitig ist, dass Bailey nicht ganz so wild spielt wie sonst und sich nicht ganz so dabei fallen lässt. Aber es gibt ja auch genügend Spieleinheiten, wenn Whisky auf dem Fensterbrett schläft oder draußen ist, wo sie das wieder ausleben kann.

Die Spiel- und Beschäftigungs"therapie" scheint also sehr positive Auswirkungen auf beide Katzen zu haben. An diesem Beispiel sieht man auch, wie wichtig Beschäftigung und Spiel für Wohnungskatzen wäre und wie sehr es sich auf das Verhalten auswirken kann! Man kann es einfach nicht oft genug betonen!

Wenn jetzt Whisky noch seine überschüssigen Pfündchen mit mehr Sport wegtrainieren würde, wäre alles absolut perfekt.








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