Dr. Jekyll und Mr. Hyde
12.04.2009, 14:17 Uhr
Alter: 10 Jahre


 





Hatte ich nicht heute vormittag noch geschrieben, dass Mr. Rosso zumindest noch nicht zum Schlafen hierbleibt??? Er scheint eine ganz besondere Antenne dafür zu haben, wenn man Dinge laut ausspricht, um sie dann zu widerlegen.

Ich war mittags beim Kochen, als ich ihn im Garten sitzen sah. Weil ich aber ohnehin nicht weg konnte, bin ich nicht rausgegangen. Etwas später kam er plötzlich zur Katzenklappe. Ich dachte, er würde es sich vielleicht anders überlegen, wenn er mich in der Küche stehen sieht, aber er kam trotzdem rein. Als erstes ging er zum Futter und fraß wieder das übrig gebliebene Nassfutter. Ich war gerade am Gemüse schnippeln und hatte eigentlich alle Hände voll zu tun, aber er strich mir so penetrant um die Beine, dass ich nicht anders konnte, als ihn zu streicheln. Er war wohl müde, denn heute war er dermaßen schmusig, regelrecht aufdringlich. Ich setzte mich mit ihm auf einen Stuhl, und er kroch förmlich in mich hinein und kletterte so weit an mir hoch, dass er auch noch seinen Kopf an meinem Kinn reiben konnte.

Ja, zugegeben, ich hätte ihn ja nicht unbedingt streicheln müssen. Aber ich schwöre, dass es kein einziger Katzennarr auf der ganzen Welt geschafft hätte, sich dem freiwillig zu entziehen! Eine halbe Stunde lang ließ er sich ausgiebigst beschmusen, dann schlief er auf meinem Schoß ein. Na wunderbar. Eigentlich hatte ich eine Pizza mit Schinken und Champignons geplant, aber ich wollte auf keinen Fall in seiner Gegenwart mit Schinken hantieren. Dass die Näpfe den ganzen Tag da stehen, ist eine Sache. Aber ich gebe ihm niemals direkt Futter, sodass er das Futter mit mir in Verbindung bringt, sprich nicht mich als Futterquelle sieht. Ich rührte mich ein paar Mal, aber er öffnete nicht mal die Augen. Nach einer Weile legte ich ihn ins Katzenkuschelbett auf der Eckbank, um weiterkochen zu können. Das schien ihm aber nicht zu gefallen, und ich dachte schon, er geht wieder. Er legte sich in die Ecke der Eckbank und schien dort tatsächlich ein Nickerchen machen zu wollen.

Also gut, ich fügte mich, ließ den Schinken im Kühlschrank und machte stattdessen eine vegetarische Champignonpizza. Was tut man nicht alles... 

Als der Kater dann so auf der Eckbank schlief, machte er mir aber schon ein bisschen Sorgen. Sein stoßweises, lautes, gepresstes Ausatmen hatte ich eigentlich für ein missglücktes und ungeübtes Schnurren gehalten, aber auch als er alleine dort lag und schlief, atmete er schnell und stoßweise weiter, als würde er durch die Nase hecheln oder als müsse er jeden Atemzug mit Druck ausstoßen. Ich bin mir nicht sicher, ob er vielleicht leichten Katzenschnupfen hat, seine Augen sind zwar trocken, aber in den Augenwinkeln etwas verfärbt, als hätten sie erst kürzlich noch getränt. Auf dem Foto oben sieht man es. Seine Nase ist ein ganz winziges bisschen gelaufen, aber nur so, dass man ganz vorne in einem Nasenloch ein winziges Tröpfchen sah. Um die Nase sieht es sauber und trocken aus, der Nasenspiegel ist aber sehr rot. Außerdem hat er saubere Ohren und so weit ich sehen kann keine Parasiten. Das stoßweise Atmen ging noch eine ganze Weile so weiter, und ich machte mir wirklich Sorgen. Aber irgendwann fing er dann an, ruhig und gleichmäßig zu atmen und schlief auch ganz entspannt 2 Stunden.

Als er vorhin aufwachte, als ich in die Küche ging, kam er sofort wieder zum Schmusen. Ich nahm ihn mit ins Wohnzimmer, wo er wieder ausgiebig kuschelte.

Dann kam Bailey von draußen rein und verschwand mit einer Maus im Maul ins Bad. Das hat er gar nicht mitbekommen. Als es aus dem Badezimmer jedoch unmissverständlich knackte, muss er das Geräusch sofort erkannt haben und war nicht mehr zu halten. Er lief dem Geräusch nach und ins Bad, hüpfte auf den Rand der Badewanne und fand dort Bailey mit einer riesigen Feldmaus. Er verhielt sich eigentlich noch sehr respektvoll aber ganz deutlich interessiert. Bailey war etwas irritiert, hat aber auch anders als erwartet reagiert. Eigentlich hätte ich gedacht, dass sie ihn anknurrt und ihre Maus verteidigt. Stattdessen hat sie sich ablenken lassen, ist auf ihn zugegangen, obwohl er auf dem Rand der Badewanne, also in deutlich höherer, dominanterer Position war, und sie haben sich Nase an Nase beschnuppert. Einmal hat sie dann doch geknurrt, er hat es akzeptiert und ist vom Rand der Badewanne gesprungen. Ich hob ihn hoch, damit er ihr zusehen kann.

Dann folgten filmreife Szenen. Bailey schien das Interesse an der Maus verloren zu haben, sprang aus der Badewanne und spazierte zur Türe raus. Ich hatte den Roten immer noch auf dem Arm. Er sah erst in die Badewanne, dann zu Bailey. Es war wirklich, als würde er sie fragen, ob sie mit der Maus fertig ist. Dann wollte er runter. Ich setzte ihn auf den Boden, und alles ging in Sekundenschnelle. Er sprang in die Badewanne, packte die Maus, knurrte einmal laut und lange, sprang mit der Maus blitzschnell aus der Badewanne, an Bailey und mir vorbei. Bailey und ich waren davon völlig überrumpelt, schauten ihm ganz verdattert nach, unsere Blicke trafen sich, und in stummem Einverständnis folgten wir ihm in die Küche, wo er mit der Maus durch die Katzenklappe verschwand. Ich sah ihn über die Treppe von der Terrasse verschwinden, ging nach draußen, aber wie gestern war er plötzlich wie vom Erdboden verschluckt.

Als ich den Mund wieder zukriegte, musste ich erst mal laut lachen, denn dass mitgebrachte Beutetiere plötzlich ganz von selber den umgekehrten Weg nach draußen gehen, ohne dass ICH sie aussetzen oder entsorgen muss, habe ich ja auch noch nicht erlebt. Der Kater ist ja eine wahre Wunderwaffe!  Bailey hat mir allerdings schon leid getan, denn obwohl sie die Maus freiwillig allein gelassen hat und selber schuld war, bin ich mir sicher, dass sie sie doch hätte fressen wollen. Ich habe sie dann mit einer Knabberstange entschädigt.

Aber es war einfach nur faszinierend zu sehen, wie sich der Kater von einer Sekunde auf die andere vom liebesbedürftigen Kampfschmuser zum kompromisslosen und eiskalten Jäger und Einzelkämpfer gewandelt hat. Er hat jedenfalls definitiv keine Probleme mit dem Selbstvertrauen, und so friedlich er jetzt auch zu Artgenossen ist, frage ich mich, was passiert, wenn er nicht kastriert wird. Da wird er sein Revier und sein Fressen schon mit allen Mitteln verteidigen. Außerdem markiert er bereits jetzt alles mit den Pheromondrüsen an den Wangen - in der ganzen Wohnung reibt er seinen Kopf an allem möglichen, was meine Katzen z.B. nie machen. Das zeugt meiner Ansicht nach schon von einem gewissen Dominanzverhalten, sodass ich wirklich Angst hätte, dass er alles markiert, sobald er geschlechtsreif wird.

So langsam frage ich mich, ob er wirklich ein Zuhause hat oder eventuell zumindest mehr draußen als drinnen lebt. Auch ist er nicht gerade der sauberste. Er hatte total graue Pfoten, und auch das Weiß in seinem Fell sah schmuddelig aus, sodass ich mich gefragt habe, ob er in einem Asche-Eimer herumgestapft ist. Sein Fell fühlte sich irgendwie stumpf an, und als ich ihn heute so lange gestreichelt hatte, bin ich richtig erschrocken, weil ich danach tatsächlich schwarze Finger hatte!  Ich würde sagen, ihm täte ein ordentlicher Regenguss mal gut...  Auf diesem Foto sieht man, wie grau das Fell auch am Bauch ist:

Ich habe heute vormittag wider Erwarten mehr E-Mail-Adressen von Nachbarn gefunden als erhofft und einige Nachbarn angemailt. Aber es ist Ostersonntag, und das Wetter ist schön - bisher sind noch keine Antworten zurückgekommen. Ich werde mich außerdem mal dran machen, ein Plakat zu entwerfen, dass dann im Gemeindeamt, Postamt, Lebensmittelgeschäft und irgendwo bei der Abzweigung der Zufahrtsstraße aufgehängt wird, falls ich bis nach den Feiertagen noch nichts herausgefunden habe.








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