Baileys Charakter

Bailey hat regelrecht Flöhe im Hintern. Sie ist ein Energiebündel und braucht extrem viel Bewegung. Ihre Reaktionsschnelligkeit im Spiel verblüfft mich immer wieder: Sie schlägt schon Haken, da hab ich selber noch gar nicht bemerkt, dass ich das Spielzeug in die andere Richtung gelenkt habe... Ihre Wendigkeit rettet sie dann auch vor Whisky, wenn der mal Jagd auf sie macht, zumindest im Freien, wo die Krallen greifen - da hat er keine Chance.

Als kleines Kätzchen hat Bailey alles, was an einer Schnur war, apportiert wie ein Hund. Ich konnte die Federangel unzählige Mal weit von mir weg schmeißen, sie hat sie in Sekunden wieder zurückgebracht. Ich habe so oft versucht, das zu fotografieren, aber sie war einfach zu schnell, um auch nur EIN scharfes Foto hinzukriegen, auf dem sie vollständig abgebildet war.

Ich fand das Apportieren eigentlich sehr praktisch, so musste ich nicht dauernd herumrennen oder Spielzeug wieder einsammeln, aber leider hat sie irgendwann damit aufgehört. Schließlich bin ja ICH die Animateurin.

Im Winter leidet sie wirklich, dass sie sich draußen nicht so verausgaben kann wie im Sommer. Im Sommer holt sie sich den Großteil der Bewegung und der Erfolgserlebnisse draußen. Im Winter hingegen fordert sie jeden Abend ihre Bewegungseinheit im Spiel. Manchmal gibt sie sich schon nach "nur" einer Stunde zufrieden, oft muss ich aber mehrere Stunden mit ihr spielen. Und dann bitte nur mit Spielzeug, dass der Dame auch gut genug ist. Ansonsten kann ich noch so enthusiastisch eine Fellmaus nach der anderen werfen, da werde ich dann einfach mit Missachtung und einem furchtbar beleidigten Gesichtsausdruck gestraft.

Ja, wenn Bailey schlechte Laune hat, dann ist das nicht zu übersehen. Sie ist halt eine kleine Zicke, wie das bei weiblichen Wesen so üblich ist. Sie hat es wirklich drauf, einen extrem beleidigten Gesichtsausdruck zur Schau zu tragen, der einem das größtmögliche schlechte Gewissen bereitet. Oder ist nach diesem Foto jemand anderer Meinung???

Bailey mit unzufriedenem Blick

Allein schon ihre Haltung ist legendär. Dann sitzt sie betont ordentlich auf kleinster Fläche, sodass alle 4 Pfoten fein säuberlich nebeneinander stehen. Die Augen sind dann aber halb geschlossen, die Ohren leicht zurückgedreht - wenn man sie nicht so gut kennt, könnte man meinen, sie ist einfach nur müde und schläft gleich im Sitzen ein. Aber wenn man sie dann streicheln will, wird sie auf einen Schlag quietschlebendig. Will man sie ignorieren, kann sie einen mit diesem Gesichtsausdruck Ewigkeiten anstarren.

Noch deutlicher trägt sie ihre schlechte Laune zur Schau, wenn draußen Schnee liegt. Den hasst sie nämlich mehr als alles andere. Dann sitzt sie, wie oben beschrieben, auf kleinster Fläche auf der freigeschaufelten Terrasse und hebt dann auch noch demonstrativ eine Vorderpfote, als wolle sie auf keinen Fall mit mehr Körperteilen als nötig mit dem Schnee oder der Kälte in Berührung kommen. Das sieht wirklich zum Schreien aus.  

Ja, wettertechnisch ist sie eine Mimose. Auch Regen stört sie. Meist kommt sie schon bei den ersten Tropfen ins Haus und geht bei länger anhaltendem Regen gerade mal für Toilettengänge aus dem Haus. Komischerweise hasst sie es dann aber wieder, abgetrocknet zu werden.

Bailey kann nicht gut still sitzen und sich auch nicht gut mit sich alleine beschäftigen, sie braucht immer Publikum. Wenn sich Whisky langweilt, legt er sich einfach hin, vielleicht ans Fenster, wo er beobachten kann, was draußen los ist, und ist zufrieden. Nicht so Bailey. Sie fordert mit sehr deutlichem Verhalten ein Rund-um-die-Uhr-Animationsprogramm. Sie will nicht alleine spielen, obwohl nun wirklich genug Spielzeug herumliegen würde. Sie will bespielt werden und entscheidet dann hoheitsvoll, ob das Spielzeug gut genug oder unter ihrer Würde ist. Wenn sie sich in den Kopf gesetzt hat, dass sie jetzt mit der im Schrank verstauten Lederangel spielen will, dann kann ich auch eine Stunde lang alles andere versuchen, sie wird mit nichts zufrieden sein.

Wenn ich nicht mit ihr spiele, weil ich anderes zu tun habe, verfolgt sie mich auf Schritt und Tritt. Sie folgt mir, wenn ich in den Keller gehe. Sie folgt mir aber auch schon, wenn ich den Raum verlasse. Wenn sie die Schiebetür des Schlafzimmerschrankes hört, auch wenn sie geschlafen hat, steht sie sofort da und muss IN den Schrank. Wenn ich das Bett beziehe, muss sie sich INS Bett legen, möglichst dort, wo ich gerade das Spannleintuch spannen wollte. Koche ich, muss sie von der Küchenarbeitsplatte zusehen und möglichst an jeder Schüssel und an jeder Zutat riechen. Wenn ich das Bügelbrett aufgestellt habe und gerade das erste Wäschestück aus dem Bügelkorb nehmen will, kann ich sicher sein, dass Bailey schon drin liegt.

Bailey putzt sich im Bügelkorb
Bailey liegt im Bügelkorb

Sie muss sich einfach ständig in Erinnerung bringen, wenn sie nicht meine volle Aufmerksamkeit hat.

Bailey ist eine kleine Diva. Sie will nicht nur ständig unterhalten werden, sondern bleibt auch nicht gern unbeachtet. Obwohl sie immer sehr menschenscheu war, um jeden Besuch einen riesigen Bogen macht und sich eigentlich von niemandem außer mir anfassen lässt, macht sie eine Ausnahme, wenn ich mit jemandem in ein Gespräch vertieft bin. Sei es mit der Obermieterin im Stiegenhaus, mit einem Besuch, mit einer Sammlerin oder dem Postboten an der Haustür oder mit meinen Eltern im Garten. Dann kann sie sich plötzlich ins Gespräch drängen, indem sie sich zwischen mich und mein Gegenüber schiebt und dann aber immer (!) meinem Gegenüber um die Beine streicht, diese Schleimerin! Das macht sie bei mir nämlich nur höchst selten! Dann lässt sie sich auch von jemand wildfremden streicheln oder schmeißt sich ihm womöglich sogar direkt vor die Füße, wobei sie aber durchaus wieder die Flucht ergreifen kann, wenn sie sieht, dass sie jetzt die volle Aufmerksamkeit hat. Sobald sie nicht mehr beachtet wird und das Gespräch fortgesetzt wird, fängt sie von vorne an.

Ich bin ja selber sehr stur, aber Bailey hat tatsächlich noch den größeren Dickschädel! Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann erreicht sie das auch, und sie weiß auch genau, wie sie es anstellen muss, um etwas zu erreichen. Wenn sie spielen will und ich keine Lust habe, dann kommt sie alle 2 Minuten an, um mich bei dem zu stören, was ich gerade mache, notfalls auch 30x hintereinander, bis ich endgütig aufgebe. Ich habe wirklich schon öfter versucht, stur zu bleiben und sie nicht gewinnen zu lassen. Aber mit ihrer Ausdauer kann ich nicht mithalten.

Umgekehrt ist es, wenn ICH etwas von ihr will. Sie muss immer das Gefühl haben, dass alles, was sie tut, ihre eigene Idee und ihre eigene Entscheidung gewesen ist. Sie liebt es, gebürstet zu werden. Aber wehe, ich fange einfach an, sie zu bürsten oder auch nur zu streicheln, wenn sie auf der Couch liegt - geschweige denn, sie einfach vom Boden auf meinen Schoß heben und streicheln zu wollen. Was für eine Bevormundung! Dann geht sie immer weg. Das heißt aber nicht, dass sie nicht eine Minute später von selber schmeichelnd ankommen kann, weil SIE es entschieden hat. Gehe ich ins Bett und nehme Bailey mit, indem ich sie hochhebe und ins Schlafzimmer trage, springt sie sofort vom Bett, wenn ich überhaupt so weit komme. Meist entscheidet sie dann ein oder zwei Minuten später selber, dass es eigentlich bei mir im Bett ganz gemütlich wäre und kommt von selber wieder an.

Bailey ist unheimlich geschmeidig und sanft, es würde ihr nie passieren, einen Gegenstand versehentlich irgendwo runterzuschmeißen, außer vielleicht, wenn sie gerade auf der Flucht vor Whisky ist. Wenn sie aber der Meinung ist, dass sie spielen will, greift sie auch mal zu härteren Methoden, um mich davon zu überzeugen. Es ist schon vorgekommen, dass sie noch spielen wollte, als ich schon im Bett lag und sie nicht beachtet habe. Sie hat dann, um mich wahnsinnig zu machen, fein säuberlich ein Buch nach dem anderen aus dem Bücherregal geworfen oder ist zuoberst auf das Regal geklettert, wo sie dann die Stofftiere heruntergeschmissen hat. Ja, sie ist in ihren Planungen äußerst berechnend.

Bailey hat bewiesen, dass versuchte Erziehung auch nach hinten losgehen kann. Ich habe zwar sehr schnell aufgegeben, meine Katzen erziehen zu wollen, zumal ich 8 Stunden am Tag nicht da bin und 8 Stunden nachts schlafe - das sind schon 16 von 24 Stunden, in denen die Katzen ohnehin machen, was sie wollen. Ich habe lediglich versucht, die Zugänge zu größeren Kabelansammlungen aus Sicherheitsgründen zu unterbinden, insbesondere hinter dem Fernsehschrank. Die Blumenspritze hat genauso wenig geholfen, wie lautes Schreien oder sämtliche Zugänge neben dem Fernseher und Videorekorder mit Klebeband zu blockieren. Bailey hat sich hingegen gemerkt, dass sie SOFORT meine Aufmerksamkeit hat (auch wenn es Wut und lautes Schimpfen war), wenn sie auch nur ansetzt, hinter den Fernsehschrank zu kriechen. Irgendwann habe ich eine Lösung gefunden, die Kabel zu umbauen, sodass ich es jetzt relaxter sehen kann, aber heute noch versucht sie mich damit in den Wahnsinn zu treiben, wenn sie meine Aufmerksamkeit will.


Einen Hund kann man sich halten, aber die Katze, die hält sich Menschen, weil sie findet, dass ihre Leute recht nützliche Haustiere sind.
Mikes George

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