Baileys Macken

Bailey hat einen Höhentick. Es kann ihr gar nicht hoch genug hinausgehen. Bei einem ihrer ersten Ausflüge in den Garten etwa mit 12 - 14 Wochen hat sie die dortige thujaähnliche Tanne bis zur Spitze erklommen. Und wenn ich sage bis zur Spitze, dann meine ich das wörtlich. Sie war etwa 10 cm unter der allerobersten Spitze, genau dort, wo der "Stamm" wohl nicht mal mehr fingerdick war und auch nicht mehr fest nach oben steht, sondern das Holz noch so biegsam ist, dass sich der Teil automatisch neigt. Ich konnte nicht mehr hinsehen, sie hat mich nahezu in den Herzinfarkt getrieben. Und um der Theatralik noch eins draufzusetzen, begann sie dann zu miauen, dass sie nicht mehr runterkäme. Ja, klar, wie soll ich ihr den helfen in geschätzten 7 - 8 Metern Höhe?! Irgendwann nach laaaaanger Zeit, in der ich einem Nervenzusammenbruch nahe war, war sie dann auch rückwärts kletternd wieder am Boden angekommen. Errät jemand, was sie dann machte? Ja, es wäre nicht Bailey, wenn sie die Nummer nicht nochmal ganz genauso von vorne wiederholt hätte.

Bailey klettert den Baumstamm hinauf

Das ist zwar der besagte Baum, aber einer der späteren Ausflüge, bei dem sie zumindest nicht mehr bis ganz zur Spitze kletterte.

Irgendwann wurde ihr das dann glücklicherweise zu blöd und sie wurde auch schwerer - zumindest auf dem Baum bleibt sie seither in akzeptabler Höhe. Das heißt aber nicht, dass sie nicht alles ausprobieren würde, was irgendwo hoch oben ist. Sie hat es geschafft (keine Ahnung wie), vom Kratzbaum auf den Balken an der Decke zu springen, auf dem an der Oberseite nur wenige Zentimeter Platz ist.

Bailey auf dem Balken knapp unter der Decke

Sie hat es geschafft, einen Weg auf die oberen Küchenschränke zu finden, wo sie seither regelmäßig herumturnt. Kürzlich hörte ich ein Rumpeln im Stiegenhaus, konnte aber keine Bailey sehen. Schlussendlich fand ich sie auf dem ca. 1,80 Meter hohen Schrank, den ich für absolut katzensicher hielt (weshalb da auch ein Kaktus und eine Porzellanfigur steht...) und hatte keine Ahnung, wie sie da hinaufgekommen ist. Sie muss wohl vom Fensterbrett aus einen riesigen, schrägen Satz genommen haben.

Bailey auf dem Schrank

Über ihr letztes Höhenerlebnis habe ich vor einigen Monaten auch nicht schlecht gestaunt. Ich komme von der Arbeit nachhause und sehe bereits von der Zufahrtsstraße aus Bailey auf dem oberen Balkon thronen. Ich hab meinen Augen nicht getraut! Dieser Balkon gehört zur Wohnung über mir und hat eigentlich keinen Zugang für die Katzen. Eigentlich? Bailey findet einen Weg. Sie springt vom Deckel des Komposters auf das Dach der Laube, von da auf's Balkongeländer und thront dann da oben wie eine Königin. Das ist sie dort tatsächlich, denn sie ist die einzige Katze in der Gegend, die das Kunststück geschafft hat - keine andere ist bisher auf diese Idee gekommen.

Bailey ist eine Hautfetischistin. Sie mit Streicheln zum Schnurren zu bringen, ist nur dann möglich, wenn sie gleichzeitig an irgendwas lecken kann - und das ist bevorzugt nackte Haut. In den ersten Wochen hat sie mich mehrmals in der Nacht geweckt, weil sie minutenlang meine Nase ablecken musste. Sie war dann auch um keinen Preis davon wegzukriegen. Habe ich sie an eine andere Stelle gesetzt, klebte sie wenige Sekunden später schon wieder an meiner Nase. Wenigstens diese Angewohnheit hat sie inzwischen abgelegt, dafür wäscht sie mir jetzt nachts öfter mal die Haare und ich wache morgens mit den kuriosest gestylten Frisuren auf.

Wenn sich Madame aber tatsächlich mal dazu herablässt, sich streicheln und bürsten zu lassen, läuft das immer nach dem selben Schema ab. Sie kommt auf der Couch von rechts auf meinen Schoß. Sobald ich den ersten Bürstenstrich mache, fängt sie an, meine linke Ellbogenbeuge zu lecken, während ich mit der linken Hand ihre Beine abstütze, mit denen sie mit aller Kraft gegen meine Hand drückt. Nur so schnurrt sie wirklich in deutlich hörbarer Lautstärke. Auch da klebt sie förmlich an meinem Ellbogen, manchmal wundere ich mich, dass sie mir nicht schon längst die Haut abgeleckt hat.

Einige Macken hat Bailey inzwischen von Whisky übernommen - auch sie lässt sich jetzt gern das Futter erst auf dem Finger zur Probe servieren, bevor sie entscheidet, ob es sich lohnt, in die Küche zu gehen. Auch das Zerkleinern von Kartons hat sie von Whisky abgeschaut und auch für sie gilt: Wenn ich in den Keller gehe, muss man mit, egal, wie tief man gerade geschlafen hat.

Eine ihr eigene Macke, die Whisky so nicht hat, ist, dass sie, wenn ihr Fell nass ist, immer irgendwo in die Höhe muss. Mit Vorliebe ist das der Couchtisch, das Piano, der Schreibtisch oder in der Küche der Esstisch oder die Arbeitsplatte. Wenn ich die Küche putze, scheint sie regelrecht zu spüren, wenn ich damit fertig bin. Ich weiß nicht wie sie das macht. Meist kommt sie etwa 2 Minuten, nachdem ich die Arbeitsplatte geputzt habe, von draußen rein, springt hoch und spaziert einmal quer durch und zurück, sodass sich ihre dreckigen Fußspuren auch ja überall verteilt haben. Das war's dann mit frisch geputzt, weil es dann nämlich so aussieht:

Pfotenabdrücke auf der Küchenarbeitsplatte

Baileys neueste Macke ist leider, dass Mäuse inzwischen nicht mehr im Badezimmer gefressen werden, sondern dass sie damit plötzlich liebend gern ins Schlafzimmer verschwindet, wo sie sie entweder auf der plüschigen Bodenplatte des Kratzbaumes oder auf dem Flokati-Teppich verspeist, wo man von Blutflecken ja besonders begeistert ist. Hat schon mal jemand versucht, Vogelfedern einzeln wieder aus einem Flokatiteppich zu entfernen???  Inzwischen ist es zwischen Bailey und mir zu einem regelrechten Wettkampf ausgeartet, ob sie schneller im Schlafzimmer ist als ich die Tür schließen kann, sobald ich sie mit einer Beute kommen sehe, und ich könnte schwören, dass sie das inzwischen mit Absicht macht, nur um mich rennen zu sehen.


"Katzen sind ein geheimnisvolles Völkchen. Es geht mehr in ihren Köpfen herum, als wir uns vorstellen können. Das kommt ungezweifelt durch ihren engen Umgang mit Zauberern und Hexen."
Sir Walter Scott

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