So explosionsartig vermehren sich Katzen...

Das hier soll nur mal ein kleines Beispiel sein, wie rasend und explosionsartig sich Katzen vermehren können. Ich habe diese Geschichte selber miterlebt, und seither sehe ich es wirklich als Aufgabe, über die Wichtigkeit der Kastration aufzuklären.

Es war vor ein paar Jahren, als meine Eltern von einer Nachbarin angesprochen wurden, dass sie ja junge Kätzchen hätten... - Hä??? Tatsächlich hatte eine streunende, verwilderte Katze unter dem nicht unterkellerten Anbau des Hauses einen Wurf mit 4 jungen Kätzchen zur Welt gebracht. Die Katzenmutter muss sie gut versteckt haben, denn als sie entdeckt wurden, als sie die Welt bereits auf eigene Faust erkundeten, müssen sie bereits etwa gute 12 Wochen alt gewesen sein.

Katzen erleben ihre Sozialisierungsphase in den ersten 5 - 7 Wochen. Wenn sie bis dahin keinen Kontakt mit Menschen hatten, wird es fast unmöglich, sie je an Menschen zu gewöhnen. So war es auch. Wir haben oft versucht, mit den doch so verspielten Kitten zu spielen und ihnen näher zu kommen, doch näher als 2 - 4 Meter kam man nicht ran, da haben sie sich sofort verkrochen. Die Katzenmutter war genau gleich.

Die Katzen hatten sich dort häuslich eingerichtet und die Katzenkinder wurden dort aufgezogen. Weil die wild lebende Mutter schon sehr ausgezehrt war, wurden sie von meinen Eltern gefüttert, v.a. auch im folgenden Winter.

Im nächsten Frühjahr zeigte sich, dass alle 4 Kätzchen weiblich waren - alle 4 wurden nämlich schon trächtig. Den ersten Wurf muss die junge Mutterkatze ausgesetzt haben. 3 winzige, maunzende Fellbündel wurden von meinem Bruder auf der Stiege des Nachbarhauses gefunden, auch nach stundenlanger Beobachtung zeigte sich die Mutter nicht bzw. machte keine Anstalten, die Kätzchen anzunehmen. Sie waren in einem Alter, als sie gerade die Augen offen hatten. Wir schätzten sie auf 2 1/2 Wochen, was später auch ein Tierarzt bestätigte. Dieser Tierarzt, Dr. Hilgartner in Lustenau, verdient einen Orden in Gold, denn er organisierte es noch am Wochenende sofort nach unserem Anruf, dass die Kätzchen bei jemandem unterkamen, der sie mit der Flasche fütterte und dies auch rund um die Uhr erledigen konnte.

Der 2. Wurf bestand ebenfalls aus 3 Kätzchen, die aber auch zu spät entdeckt wurden, auch sie waren zu alt, um sie noch zu erwischen. Eine davon wurde später mit der Falle gefangen und im Tierheim abgeliefert, konnte aber kaum aus der Falle geholt werden und hat sich dort dermaßen wild und kratzbürstig aufgeführt, dass keine Vermittlungschancen gesehen wurden. Das Kätzchen wurde zwar (wenn auch ungern) behalten, es wurde aber klargemacht, dass sie keine weiteren verwilderten Katzen annehmen können. Heute weiß ich, dass es dem Tierheim sogar von der Landesregierung verboten ist, verwilderte Katzen anzunehmen, weil das für diese Tiere Tierquälerei ist.

Eine Katze konnte meines Wissens noch vor dem Werfen mit der Falle eingefangen und kastriert werden.

Die letzte trächtige Katze wurde von meinen Eltern täglich beobachtet, um herauszufinden, wo und wann sie werfen würde. Wir sahen keine andere Möglichkeit mehr, als die Kätzchen viel zu früh von der Mutter zu trennen, um sie noch an Menschen zu gewöhnen und weitervermitteln zu können. Dies haben wir dann auch im Alter von ca. knapp 6 Wochen getan, als sie selber fressen konnten. Das ist zwar viel zu früh und für die Kätzchen ganz sicher nicht gut, aber die einzige Möglichkeit, sie noch zahm zu kriegen. Ganz klar zeigten sich auch die Anzeichen der frühen Trennung, v.a. darin, dass die Kätzchen aneinander nuckelten und saugten, auch noch als sie älter wurden. Meine Eltern haben sie bis zur etwa 12. Woche aufgezogen und wir konnten sie dann glücklicherweise auch paarweise weitervermitteln, nachdem sie schon keine Mutter mehr hatten und wir das Gefühl hatten, dass sie einander auch brauchten.

Das Beispiel zeigt aber, dass es nach einem einzigen Jahr bereits 15 Katzen geworden waren und es wären wohl an die 20 gewesen, hätte die 4. Katze nicht rechtzeitig kastriert werden können. Hätte man da nicht eingeriffen, hätte nach einem weiteren Jahr jede dieser 5 Mutterkatzen und sämtliche weiblichen Jungkatzen wieder werfen können! Man stelle sich das mal vor! Hier sieht man mal ganz deutlich, vieviel Katzenelend mit einer einzigen Kastration verhindert werden kann!!! Dem Aussehen der Jungkätzchen nach zu urteilen, wurden die meisten der Katzenmütter übrigens mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von einem Streunerkater, sondern vom unkastrierten Nachbarskater gedeckt, einem lt. Besitzern gaaaaanz braven Hauskater, der nicht streunen würde und deshalb auch nicht kastriert werden müsse. Das zeigt auf, wie wichtig die Kastration auch bei freilaufenden männlichen Tieren ist.

Während all dieser Zeit wurde versucht, die Katzen mit einer vom Tierschutzverein zur Verfügung gestellten Falle zu fangen und kastrieren zu lassen (die Kosten übernimmt sogar der Tierschutzverein!), und es ist nur der Geduld meines Vaters zu verdanken, der die Falle immer wieder aufstellte und überwachte, sodass keine Katze unnötig lange darin gefangen war, dass zumindest die ursprüngliche Mutterkatze und 3 Katzen des ersten Wurfes kastriert werden konnten. Sobald die erste Katze mal eingefangen war und die Katzen das Geräusch der Falle kannten, haben sie schon das Weite gesucht, sobald sie überhaupt "scharf" gemacht wurde. Es erforderte MONATE an Geduld und bei den restlichen Katzen war einfach nichts zu machen.

Inzwischen sind die ursprüngliche Mutterkatze und 2 ihrer Jungkatzen verschwunden, die 3. und zahmste, die zumindest mein Bruder immerhin streicheln durfte, wurde während einer sehr schweren Krankheit in einem eiskalten Winter zur Genesung ins Haus genommen und konnte danach auch tatsächlich ans Haus gewöhnt werden. Heute ist sie zwar misstrauisch und aggressiver als zahme Katzen (kann sehr schnell zubeißen), aber gegenüber ihrer "Familie" ist sie zahm und eine angenehme Hauskatze geworden. Das ist aber leider ein Einzelfall.

Als die 4. verbliebene Katze im Winter darauf ebenfalls sehr schwer erkrankte und fast an einer Lungenentzündung gestorben wäre, wurde auch sie zur Genesung ins Haus geholt. Bei ihr funktionierte es allerdings nicht, sie zahm zu kriegen. Kaum wurde sie wieder ins Freie gelassen, wurde sie noch viel misstrauischer und lässt sich seitdem nur noch im Garten, aber nicht mehr auf dem Balkon streicheln.

Alle nicht kastrierten Katzen sind mit der Zeit wohl eigene Wege gegangen und sind verschwunden. Aber bis dieser erträgliche Zustand hergestellt war, hat es über 2 Jahre gedauert und über das Schicksal der restlichen Katzen ist nichts bekannt.

Ich hoffe, dass diese Geschichte zum Nachdenken anregt und die Wichtigkeit der Kastration aufzeigt. Mit der Kastration der eigenen Freilaufkatze oder des eigenen Freilaufkaters wird ein sehr wichtiger Beitrag zum Tierschutz geleistet und solches Katzenelend verhindert.

Und auch hier nochmal, weil man es nicht oft genug sagen kann:

Laut Bundestierschutzgesetz besteht seit 01.01.2005 Kastrationspflicht für Freilaufkatzen!


"One cat just leads to another."
Ernest Hemingway

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