Dem Geschlechtstrieb zu folgen, bedeutet für Katzen Stress!

Wir Menschen sind ein eingebildetes Volk und glauben, alle Lebewesen sind dem Menschen ähnlich oder haben ähnliche Bedürfnisse. Im Gegensatz zum Menschen ist die Paarung für die Katzen jedoch kein Vergnügen, dessen man sie beraubt, wenn man sie kastriert, sondern ein reiner Trieb zur Arterhaltung.

Der Geschlechtsakt ist für Katzen nichts Angenehmes, und sie empfinden dabei auch kein Vergnügen. Damit die Katze still hält, beißt sie der Kater in den Nacken. Der Penis des Katers ist mit Widerhaken ausgestattet - man vermutet, dass dies bei der Katze den Eisprung auslösen soll -, der der Kätzin natürlich beim Herausziehen Schmerzen verursacht. Deshalb sucht der Kater nach dem Deckakt auch schnellstens das Weite, weil sich die Kätzin in ihrem Schmerz rabiat gegen ihn wehrt.

Auch die Rolligkeit ist für die Katzen purer Stress. Nicht umsonst lassen fast alle Besitzer von Wohnungskatzen ihre Katze spätestens nach der ersten Rolligkeit kastrieren, weil sie das tagelange, pausenlose Geschrei nicht aushalten. Wenn man aber genauer hinschaut, sieht man, dass da nicht nur das Geschrei ist. Die Katze findet keine Ruhe, frisst in diesen Tagen kaum etwas, streunt umher, kommt kaum nachhause und wenn, dann sieht sie oft sehr "verlebt" aus, nicht selten bringt sie Verletzungen mit.

Wer schon einmal eine säugende Katzenmutter erlebt hat, wird vielleicht bemerkt haben, wie sie dabei abmagert, wie ausgezehrt sie aussieht, weil sie nicht nur die Pflege der Jungen Kraft kostet, sondern weil sie buchstäblich "ausgesaugt" wird. Nicht umsonst hat es die Natur so eingerichtet, dass die Jungen nach ca. 10 Wochen von der Mutter immer öfter abgewiesen, später in sogar oft verstoßen werden. Man kann die Jungenaufzucht von Katzen nicht mit dem "Mutterglück" einer Menschen-Mutter vergleichen. Man vergisst immer, dass es sich dabei um einen natürlichen Instinkt zur Arterhaltung handelt. Bei wild aufwachsenden Katzen kann man aber ganz deutlich sehen, dass die Jungen nur so lange umhegt werden, wie es unbedingt nötig ist und sie dann oft nicht gerade sanft ins eigene Leben geschubst werden. Es ist daher kein Argument, wenn man sich sagt, dass jede Katze wenigstens einmal dieses Mutterglück erleben sollte!

Kater werden oft nicht kastriert, weil man es nicht für nötig hält, wo sie doch ohnehin keine Jungen bekommen können, die man dann irgendwie an den Mann bringen muss. Für Kater bedeutet der Geschlechtstrieb jedoch genau so viel Stress wie für Katzen - und kann für sie sogar noch viel gefährlicher enden.

Kater können ein rolliges Weibchen auf eine riesige Entfernung hören und legen selber auch große Entfernungen zurück, um zu einem rolligen Weibchen zu kommen. Strecken von 1 km sind keine Seltenheit. Oft streunen sie tagelang herum und kommen in dieser Zeit manchmal auch gar nicht nachhause. Dabei sind sie regelrecht triebgesteuert, reagieren fast wie hypnotisiert und sind daher sehr viel unvorsichtiger - was bei der Überquerung von Straßen tödlich enden kann.

Die Konkurrenz schläft auch nicht - von einem rolligen Weibchen werden sämtliche potenten Kater der Umgebung angelockt, und die Rivalität ist groß: Jeder will seine eigenen Gene weitergeben. Katerkämpfe um ein rolliges Weibchen laufen nicht zimperlich ab und enden oft mit Verletzungen. Bestenfalls mit einem eingerissenen Ohr, oder schlimmer mit üblen Bissverletzungen, die zu Abszessen werden können.

Und wer schon einmal genau hingeschaut hat, sieht genau den Unterschied zwischen potenten und kastrierten Katern - besonders im Frühling, wo der Geschlechtstrieb besonders stark ist. Potente Kater sehen wirklich "verlebt" aus - das Fell ist stumpf, oft verfilzt, teilweise tragen sie sichtbare Verletzungen, manchmal sind sie sehr abgemagert, obwohl man weiß, dass sie ein gutes Zuhause haben.

Ein kastrierter Kater hingegen hat das einfach nicht nötig, hat diesen Trieb und diesen Zwang nicht in sich und muss sich diesen Kämpfen nicht aussetzen.

Nicht zuletzt sollte man sich auch überlegen, was man anderen mit unkastrierten Katzen und Katern zumutet:

Potente Kater markieren äußerst geruchsintensiv - die Besitzer merken oft gar nichts davon, da sich die Kater im eigenen Haus, im eigenen Garten sicher genug fühlen und dort gar keine Markierungen setzen. Das Vergnügen hat dann die eigene Nachbarschaft und die Nachbarschaft von unkastrierten Kätzinnen, die die potenten Kater anlocken.

Es ist alles andere als angenehm, wenn einem, kaum dass man eine Tür aufmacht, dieser beißende, alles überdeckende Geruch entgegenschlägt. Es bedeutet auch Ärger, wenn an alle Hausecken, Eingangstüren, Blumenkübel etc. markiert wird, oder wenn man keinen Liegestuhl, keine Decke, kein Handtuch auf der eigenen Terrasse liegen lassen kann, weil alles sofort markiert wird.

Außerdem sind potente Kater häufig auch aggressiv, was für alle anderen Katzen im Revier auch Stress oder Kämpfe bedeutet.

Rollige Weibchen locken potente Kater von sehr weit her an. Da wird dann sehr schnell das Revier zu klein, und es kommt auch zu Kämpfen mit kastrierten und eigentlich friedlichen Katzen und Katern.

Kein Besitzer einer unkastrierten Katze braucht sich über geruchsintensive Katermarkierungen aufregen - das wäre mit der Kastration der Katze alles vermeidbar. Selbst wenn man das selber für ein paar niedliche Katzenbabies in Kauf nimmt, sollte man doch überlegen, was man der Nachbarschaft damit zumutet.

Das sind keine Übertreibungen, ich kann ein Lied davon singen. In meiner Nachbarschaft gibt es sowohl unkastrierte Kätzinnen als auch unkastrierte Kater. Nicht nur, dass meine eigenen Katzen sehr oft von unkastrierten Katern gejagt und verprügelt werden. Es würde auch schon ausreichen, dass auf meiner Terrasse wirklich ALLES markiert wird und einem der Geruch besonders im Frühjahr wirklich den Atem stocken lässt. Es würde auch ausreichen, dass teilweise täglich (!) die Haustür markiert wird und manchmal der beißende Geruch durch die Ritzen ins Haus dringt oder ich teilweise sogar Haufen auf dem Fußabstreifer vor der Haustüre finde (auch das ist eine Art der Markierung!). Aber es kommt noch schlimmer: Der am geruchsintensivsten markierende Kater weiß leider, wie eine Katzenklappe funktioniert, und ich hatte schon mehrmals das Vergnügen, dass in meiner Abwesenheit in meiner Wohnung markiert wurde. Und wenn ich nicht das Glück hatte, dass mich meine Katzen nachts geweckt haben, wenn der Kater reingekommen ist, sodass ich sofort um 3 Uhr morgens den Boden wischen konnte, oder wenn der Kater untertags in die Wohnung gekommen ist, hat es 2 Tage gedauert, bis ich den Geruch wieder aus der Wohnung bekommen habe.

Die Kater können dafür nichts, das ist ihr Trieb und nicht Bosheit oder Unsauberkeit! Es liegt an den Besitzern, das zum Wohle sowohl der Kater als auch der Nachbarschaft zu unterbinden!

Ich jedenfalls würde nicht die Verantwortung übernehmen wollen, dass MEINE Katzen anderen solchen Ärger verursachen! Wer weiß, wie jemand reagiert, der Katzen ohnehin nicht mag und was er solchen Katern antut!


Wirklich großartig ist, dass es Katzen in allen Varianten gibt. Man findet sie passend zu jeder Einrichtung, jeder Art der Persönlichkeit und der Laune. Aber unter dem Pelz lebt unverändert eine der freiesten Seelen der Welt.
Eric Gurney

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