Katerbelagerung

Seit mehreren Tagen streicht in meiner Nachbarschaft ein potenter schwarzer Kater herum. Erst habe ich es nur dadurch gemerkt, dass meine beiden viel länger als üblich weg waren. Seit einigen Tagen hat er meine Terrasse belagert, und zwar sitzt er mit Vorliebe auf dem Wetterschutz der Katzenklappe. Wenn meine beiden nicht draußen sind, schreit er, es klingt teilweise wie eine rollige Kätzin. Wenn meine rausgehen, ist er ruhiger und gurrt nur ständig vor sich hin, aber sie giften ihn nur an. Whisky und Bailey bewegen sich draußen nur im Zeitlupentempo.

Gegenüber meinen Katzen ist er noch verhältnismäßig friedlich, aber wenn eine andere Katze auftaucht, ist er sehr aggressiv. Gestern hat er einen (kastrierten) Nachbarskater mit lautem Geschrei verjagt und ihn auch noch angefallen. Meine lässt er großteils in Ruhe, außer sie bewegen sich zu schnell oder gehen weiter weg. Den Großteil der Zeit sitzen sie sich aber einfach gegenüber, schauen sich an und fauchen und knurren ab und zu.

Das Problem ist, dass Whisky und Bailey inzwischen völlig verstört sind. Der Kater markiert draußen auch wirklich alles, und mir kommt vor, sie tragen den Geruch an den Pfoten mit rein, d.h. sie schnuppern auch im Wohnzimmer ständig am Boden und sind nervös. Zum Spielen sind sie nicht zu bewegen, weil sie sich nicht konzentrieren können, sie lauschen alle paar Sekunden nach draußen. Dazu kommt, dass der Kater, sobald meine beide im Haus sind, wieder anfängt zu miauen oder zu schreien, was sie natürlich wieder raus lockt. Whisky und Bailey haben seit 2 Tagen kaum geschlafen und fast nichts gefressen.

Gestern Mittag war der Kater immer noch da, und als ich am Abend nachhause gekommen bin schon wieder. Also ist mir das bei diesen extremen Minustemperaturen spanisch vorgekommen. Ich habe vermutet, dass er vielleicht nicht mehr nachhause findet, vielleicht weil es in den letzten Tagen ordentlich geschneit hat. Nachdem ich kürzlich ein rolliges Weibchen schreien gehört habe, hätte es durchaus sein können, dass er davon von weit her angelockt wurde und den Heimweg im Schnee nicht mehr gefunden hat. Ich habe erst die nähere Nachbarschaft abtelefoniert, keiner kennt den Kater, also musste er doch von etwas weiter her kommen. Also hab ich meinen Radius erweitert. Im Umkreis von 500 m müssen zig schwarze Katzen mit weißem Fleck am Hals sein, denn beinahe jeder konnte mir jemanden sagen, der so eine Katze hat. Nur die meisten dieser Katzen waren zuhause, oder die Beschreibung hat nicht 100%ig gepasst. Nach einer knappen Stunde und etwa nach 15 Anrufen hatte ich die Besitzerin dann endlich gefunden (ein Glück, dass hier jeder jeden kennt), über Umwege ihre Handynummer rausgefunden, weil sie nicht im Telefonbuch steht, und dort angerufen. Das war gegen 19 Uhr. Sie könne nicht sofort weg, weil sie erst das Baby ins Bett bringen müsse, aber sie hole den Kater verlässlich bis spätestens 21.00 Uhr. Ich also gewartet und die Lage zwischen den 3 Katzen hat sich zugespitzt. Dazu kam, dass der Kater inzwischen jedes Mal, wenn ich zum Rauchen rausging, rein wollte.

Um 21 Uhr keine Besitzerin, um 21.30 Uhr nichts, bis 22.00 Uhr hab ich gewartet, dann hab ich nochmal angerufen, es war mir sch...egal, dass das um diese Zeit unhöflich ist: Ob mich der Kater sehr störe, es sei ihr doch schon zu spät. Hallo! Der Kater fand offensichtlich nicht nachhause, war vermutlich ausgehungert und vielleicht schon seit Tagen draußen. Und sie sagt nur, morgen sei ich ihn sicher los. Ich hab dann gesagt, dass ich in dem Fall versuchen werde, ihn einzufangen und ihn ihr bringe (hab ich vorher nicht gemacht, weil er mich nicht an sich ranließ und ich ihn nicht noch mehr verstören wollte). Allein das Schütteln der Felix-Leckerli-Dose hat den Kater gezähmt, er war plötzlich schmusig, ist mir um die Beine gestrichen und mit einigem Nachdruck konnte ich ihn auch in die Box befördern. Da drin hat er sich aufgeführt wie irre, ich konnte die Box kaum tragen. Ab ins Auto und die ca. 300 - 400 m weit gefahren, Kater abgeliefert, er hat gleich was zu fressen bekommen, hat sich drauf gestürzt, war plötzlich sehr schmusig, ist um meine Beine gestrichen, als wolle er sich bedanken. Es war auch ganz offensichtlich, dass er die Besitzerin und das Haus kennt und dort hingehört. Die Besitzerin hat mir erzählt, dass er ihr einfach nicht mehr im Haus bleibt, seit das Baby da ist, dass sie ihm Futter rausstellt und sie deshalb oft gar nicht merkt, wenn er länger weg ist. Für mich unverständlich. Deshalb habe sie ihn auch noch nicht kastrieren lassen können, weil sie keinen Termin ausmachen könne, wenn sie nie weiß, wann der Kater da ist. Sie versprach mir, das am besten gleich "morgen" zu erledigen. Nachdem ich ihre Zuverlässigkeit bereits erfahren hatte, weiß ich wohl, was ich davon halten kann.

Jedenfalls konnte ich mich dann selber überzeugen, dass es ein Draußen-Kater ist, denn statt völlig übermüdet einzuschlafen, wollte er schon wieder mit Nachdruck raus. Ich bin dann auch gegangen, den Block entlang zum Auto gelaufen, eingestiegen, hab gewendet und schon sehe ich den Kater über die Straße flitzen... wieder in meine Richtung. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass er wieder zurückgeht, wo er jetzt doch wieder in vertrauter Umgebung war.

Ich bin also heimgekommen, hab die Transportbox im Keller abgestellt (um sie zu waschen und zu desinfizieren, wenn meine beiden draußen sind, damit sie nicht nervös werden), hab meine Jacke gar nicht ausgezogen, sondern gleich Whisky und Bailey zur Entspannung eine Baldrian-Dröhnung gegönnt, damit sie ruhiger werden und endlich mal Schlaf nachholen, schau zur Terrassentüre und...

...DA SITZT ER WIEDER!

Und kaum war die Baldrian-Orgie vorbei, sind meine beiden auch schon wieder raus.


Die Geschichte ist dann so weitergegangen, dass ich nichts mehr tun konnte, weil der Kater den Weg offensichtlich genau kannte. Adoptieren konnte ich ihn nicht, weil meine beiden ihn angefeindet haben. Das konnte und wollte ich ihnen nicht antun. So leid er mir getan hat, aber ich konnte einfach nicht das Risiko eingehen, dass dafür eine meiner Katzen auswandert und sich ein neues Zuhause sucht. Gefüttert habe ich ihn nicht, weil ich wusste, dass er ein Zuhause hat, wo er gefüttert wird und er den Weg dorthin auch findet.

Es ist dann noch mehrere Monate weitergegangen, dass er fast täglich auf der Terrasse war. Meine Katzen haben sich zwar etwas beruhigt und ihn misstrauisch geduldet, aber sich bei weitem nicht mit ihm angefreundet. Das schlimmste war, dass der Kater wirklich alles markiert hat. Glücklicherweise hat er quasi geruchlos markiert, aber als es Frühling und Sommer wurde, konnte ich keinen Liegestuhl, kein Handtuch, kein Buch auch nur 2 Minuten unbeaufsichtigt auf der Terrasse lassen, denn ich konnte sicher sein, dass es dann sofort markiert wird.

Der Kater verwahrloste immer mehr, er hatte schon einen großen verfilzten Knubbel am Rücken. Als dann eines Tages der Knubbel verschwunden war und sich auch plötzlich der Nachbarskater wieder auf meine Terrasse traute, der sich vorher nicht in die Nähe des schwarzen Katers gewagt hatte, hatte ich den Verdacht, dass er jetzt tatsächlich kastriert wurde. Als ich kurz darauf die Besitzerin traf, bestätigte sie mir das. Kurz darauf ist er verschwunden und ich dachte, durch das Kastrieren sei er jetzt häuslicher geworden. Lange danach erzählte mir die Besitzerin, er sei einfach nicht mehr nachhause gekommen. Ob er überfahren wurde oder sich ein neues Zuhause gesucht hat, wusste sie nicht.


Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, eine Katze zu streicheln, einem Affen zuzunicken oder vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.
Maxim Gorki

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