Katzenbeschäftigung

Je beschäftigter und ausgelasteter eine Katze ist, umso zufriedener ist sie auch, und umso weniger wird sie auf der Suche nach einer Beschäftigung zerstören oder zerkratzen. Freigängerkatzen holen sich den Großteil ihrer Unterhaltung und Beschäftigung draußen, das heißt aber nicht, dass das die Beschäftigung und das Spiel mit dem Menschen ersetzt. Spieleinheiten sollten trotzdem ein fester Bestandteil im Zusammenleben zwischen Mensch und Katze sein.

Wohnungskatzen haben diese Möglichkeit nicht, es liegt daher am Katzenhalter, ihnen das Leben so abwechslungsreich und unterhaltsam wie möglich zu machen.

Nicht nur Spielen ist Katzenbeschäftigung. Auch wenn die Katze alleine ist oder nicht spielen mag, sollte ihr genügend Abwechslung, z.B. auch in Form von Beschäftigungs- oder Denkspielen oder optischen Reizen, geboten werden.

Spiele

Die tägliche Spielstunde mit der Katze - sofern diese dazu bereit ist - sollte niemals fehlen. Es gibt unzählige Spielmöglichkeiten und Katzenspielzeug. Keine Katze verlangt da unbedingt teures, gekauftes Spielzeug. Es reichen schon

  • Kugeln aus Alufolie (nicht zu klein, damit sie nicht verschluckt werden können)
  • Kapseln aus Überraschungseiern, die mit Reis oder unterschiedlichen kleinen Gegenständen gefüllt werden können, damit sie durch die verschiedenen Geräusche interessant werden
  • alle Arten von Schnüren, Paketschnur, Wolle, Bast (Vorsicht! Ausschließlich unter Aufsicht damit spielen lassen und nach dem Spielen unerreichbar verräumen! Neben der Gefahr des Strangulierens können Katzen Schnüre auch fressen und sich damit den Darm wie eine Ziehharmonika aufädeln!)
  • lange Grashalme
  • Kastanien
  • Walnüsse
  • Korken
  • Tischtennisbälle
  • Wolldecken oder Handtücher, unter denen man sich verstecken kann oder unter denen auch irgendwelche Schnüre durchgezogen werden können - wenn die Katze den Gegenstand nicht sieht, der sich darunter bewegt, wird das Spiel erst interessant
  • Kartons zum Verstecken, zum Zerrupfen, Kartons mit Löchern zum Pföteln

Der Zoofachhandel bietet weiters eine unglaubliche Fülle an Katzenspielzeug an, z.B.

  • Fellmäuse aller Art, mit und ohne Geräusch, mit und ohne Katzenminze, kurzhaarig oder langhaarig, groß oder klein, Stehaufmäuse, quietschende Mäuse, aufziehbare Mäuse - Fellmäuse sind einfach ein Dauerbrenner (Achtung! Plastikteile vor dem Spielen entfernen wegen der Gefahr des Verschluckens!)
  • Angelspielzeug, z.B. eine Angel mit Lederbändchen, mit Federn, mit einem Plüschtier, auch hier sind keine Grenzen gesetzt
  • Bälle aller Art, aus Plüsch, Fell, Sisal, ...
  • Kuschel- und Rascheltunnels zum Verstecken und zum akustischen Reiz
  • Kratzspielzeug aus Sisal
  • Catnip-Spielzeug
  • Laser-Pointer (Vorsicht! Niemals direkt in die Augen der Katze leuchten!)
  • neuerdings sogar Beschäftigungsspiele zum Erobern des Futters

Zweite Katze

Wohnungskatzen sollten niemals als Einzelkatzen gehalten werden. Ein kätzischer Spielpartner kann schon für sehr viel Unterhaltung und Beschäftigung sorgen. Da gibt es Verfolgungsjagden genauso wie das gegenseitige Putzen.  Am besten holt man sich gleich von Anfang an 2 Katzen ins Haus, die aneinander gewöhnt sind, z.B. Wurfgeschwister oder Tierheimkatzen, die schon am früheren Platz zusammengelebt haben. Junge Kätzchen gewöhnen sich noch sehr schnell aneinander, auch wenn sie sich vorher nicht kannten. Wenn man das von vornherein bedenkt, erspart man sich später den Stress und das Risiko einer Zusammenführung.

Visuelle Reize

Katzen liegen viel Zeit nur herum, schlafen aber nicht. Diese Zeit kann man ihnen versüßen, indem man optische Reize schafft. Am besten schafft man das z.B. mit der Einrichtung von Sitz- und Liegeplätzen an Fenstern, wo die Katze beobachten kann, was draußen los ist. Wenn dann vor dem Fenster noch ein Baum ist, auf dem gerne Vögel sitzen, ist der Aussichtsplatz perfekt.

Whisky und Bailey auf der Fensterbrettauflage
Bailey im Katzenkuschelbett am Fensterbrett

Auch ein Aquarium ist Katzenfernsehen, genauso wie andere Tiere, die sich bewegen - natürlich nur, solange ein Zusammenleben ungefährlich ist. Ein offenes Goldfischglas wäre genauso wenig zu empfehlen wie frei herumlaufende Ratten. Aber es spricht nichts dagegen, den Fensterplatz im Winter durch Anbringung eines Vogel-Futterhäuschens außen am Fenster interessanter zu machen oder gegen die Haltung von Meerschweinchen in einem katzensicheren Gehege. Bailey liebt es, im Sommer im Garten die Meerschweinchen der Obermieterin zu beobachten, und im Winter nutzt sie jede sich bietende Gelegenheit, in deren Wohnung zu schlüpfen und die Meerschweinchen zu besuchen.

Bewegungsräume

Gerade Wohnungskatzen brauchen auch Bewegung - Klettermöglichkeiten sind hier extrem wichtig. Um den "Auslauf" zu vergrößern, kann man auch die 3. Dimension nutzen, z.B. in dem man der Katze Zugang zu höheren Möbelstücken erlaubt und ermöglicht. Man kann auch einzelne Bretter an der Wand anbringen, um der Katze so den Zugang zu hohen Schränken oder Aussichtsplätzen zu ermöglichen oder eine ganze Wand mit Hilfe eines Sisalteppichs und einigen Brettern zu einer Kratz- und Kletterwand umfunktionieren.

Geistige Beschäftigung / Denk- und Strategiespiele

Das kann schon darin bestehen, einzelne Futterstückchen im Raum zu verteilen, die die Katze dann suchen und "erbeuten" kann. So habe ich entdeckt, dass das eine der wenigen Beschäftigungsmöglichkeiten ist, die mein spielfauler Kater Whisky annimmt. Ich habe z.B. kleine Stückchen Seidenpapier im Raum verteilt, unter denen ich Trockenfutterstückchen versteckt habe. Andere habe ich auf einer Kratzrolle oder auf einer Kuschelhöhle platziert, auf dem Kratzbaum, unter einer Falte im Fleckerlteppich, in einer am Boden liegenden Klorolle,... - eben so, dass jedes Stückchen auf andere Art erobert werden musste.

Etwas anspruchsvoller ist z.B. das Verstecken in einer langen Küchenrolle, die dann über den Boden gerollt werden muss, damit die Stückchen herausfallen. Es gibt im Fachhandel auch einen Snackball, der ähnlich funktioniert. Nur durch das geschickte Bewegen des Balls fallen immer wieder einzelne Stückchen heraus.

Die beste Weiterentwicklung dieser Idee ist das Katzenfummelbrett, das bei Whisky DER Renner ist.

Whisky am Fummelbrett
Whisky am Fummelbrett

Mit solchen Spielen können sich Katzen auch in Abwesenheit ihres Menschen gut beschäftigen, sind geistig und motorisch ein bisschen gefordert, und es wird auch der Jagdtrieb zum Erjagen der Beute angesprochen.

Katzenminze / Baldrian

Wenn die Katze auf Katzenminze oder Baldrian steht, ist das eine gute Möglichkeit für eine kurze Abwechslung. Katzen bekommen davon eine Art "gesunden Rausch", der aber völlig ungefährlich ist und sogar Stress abbauen kann. Gerade im Winter gönne ich meinen Katzen daher gerne 1 - 2x in der Woche eine "Dröhnung". Katzenminze war für sie lange Zeit komplett uninteressant und ist auch jetzt noch nicht der Renner, aber bei Baldrian sind sie nicht zu halten. Ich weiß nicht, wie sie das machen, aber sie ahnen schon, wenn ich eine Baldrian-Orgie vorhabe. Wenn ich dann in die Küche gehe, um das Fläschchen Baldrian zu holen, stehen sie schon hinter mir, wenn ich den Schrank aufmache.

Ich habe mir Baldriantropfen aus der Drogerie geholt, davon gebe ich 2 - 3 Tropfen auf ein kleines Plüschtierchen und verreibe es gut, bevor ich es den Katzen gebe. Sie lecken dann wie wild daran herum, reiben ihren Kopf daran, beißen auch hinein und saugen förmlich den letzten Tropfen heraus. Dabei halten sie das Plüschtierchen mit den Vorderbeinen fest und schlagen auch oft mit beiden Hinterbeinen dagegen. Es empfiehlt sich also, etwas zu nehmen, das keine verschluckbaren Teile enthält und nicht leicht zu zerstören ist, auch langhaarige Fellmäuse würde ich nicht empfehlen, da würden sie wohl das Fell ausreißen und fressen. Es kann aber auch einfach eine alte, zusammengeknüllte Socke sein.

Whisky mit einem baldriangetränkten Stofftier
Bailey mit einem baldriangetränkten Stofftier

Auf den Fotos sieht man Whisky und Bailey bei einer Baldrian-Orgie. Nach ein paar Minuten haben sie genug und putzen sich dann sehr ausgiebig, manchmal schlafen sie noch an der selben Stelle ein.

Catnip-/Katzenminze-Spielzeug gibt es im Fachhandel in großer Fülle, auch getrocknete Katzenminze oder Samen zum Selberziehen. Ich habe als Versuch ein kleines Kissen aus einem alten Stoffrest genäht, das ich ebenfalls mit Stoffresten gefüllt habe. Dazwischen kam dann etwas getrocknete Katzenminze. Bailey, die noch am ehesten darauf reagiert, hat es einige Tage lang ganz gern genommen, aber an Baldrian kommt es bei weitem nicht heran.

Katzen einbeziehen

Katzen sind immer dort, wo etwas los ist. Ich merke das bei meinen Katzen, die mir auf Schritt und Tritt folgen, egal, was ich mache. Wenn ich im Frühjahr dem Unkraut den Kampf ansage, sind sie im Garten genauso um mich herum wie beim Schneeschaufeln im Winter - obwohl sie den Schnee und die Kälte hassen. Aber es eine Abwechslung in ihrem faulen Alltag, es gibt etwas zu sehen, und sie zeigen deutlich, dass es für sie Unterhaltung ist. Ihr Motto ist generell: Mittendrin statt nur dabei!

Es wäre so einfach, Katzen in den Alltag einzubeziehen. Schon indem man mit ihnen redet, gibt man ihnen etwas, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten können.

Wenn im Winter viel Schnee liegt und es sehr kalt ist, merke ich sehr deutlich, dass meine Katzen durch den eingeschränkten Auslauf unterfordert sind und sich langweilen, zumal ich auch ganztägig berufstätig bin. Ich versuche sie daher z.B. auch in die Hausarbeit miteinzubeziehen. Wenn ich beispielsweise das Bett beziehe, sind sie immer dabei, und ich lasse ihnen das Vergnügen, auch wenn es 3x so lange dauert. Dann jagen sie sich gegenseitig über's Bett, liegen immer dort, wo man gerade ein Laken glatt ziehen möchte oder verstecken sich unter dem Spannleintuch. Zwischendurch kann man dann auch mal eine Fellmaus werfen.

Whisky und Bailey beim Toben im Bett
Bailey unter dem Spannleintuch versteckt

Oder wenn mir gar nichts anderes mehr einfällt, gehe ich schon mal den Keller aufräumen. Das ist ein Raum, wo sie nicht ständig Zugang haben, also ist er interessant, und es gibt immer was zu erkunden. Wenn Bailey auf der Arbeitsplatte sitzen will, um mir beim Kochen oder Küche putzen zuzusehen, dann lasse ich sie das, sofern keine Gefahr für sie besteht, denn damit hat sie etwas zu beobachten.

Es gibt so viel im normalen Alltag, wo man die Katzen einbeziehen kann. Es reicht schon, nicht sofort zur Fliegenklatsche zu greifen, sondern - wenn Interesse da ist - die Fliege der Katze zu überlassen. Wenn man die Katzen beobachtet, zeigen sie einem schon, was für sie interessant wäre.


Wenn ich mit meiner Katze spiele, wer kann da sagen, wer zu wessen Belustigung dient?
Michele de Montaigne

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