Der Umgang mit lebenden Beutetieren

Tote Mäuse, die die Katzen irgendwo liegen gelassen haben, sind mir ja die liebsten Beutestücke. Es gibt kein Blutbad und auch sonst keinen Dreck, und ich brauche sie nur noch mit einem Küchenpapier packen und entsorgen.

Aber meine Katzen sind der Meinung, auch das Recht auf ein Haustier zu haben und bringen dann gerne mal Mäuse mit, die sie als Anschauungsobjekte in der Wohnung frei herumlaufen lassen, ohne sie großartig zu jagen oder gar fressen zu wollen.

Whisky schläft am Boden, während vor seiner Nase eine Maus herumrennt

Dieses Foto ist zum Beispiel ganz typisch für Whisky. Erst bringt er die Maus mit, lässt sie frei herumlaufen und macht dann ein Nickerchen. Und nur um zu zeigen, dass das kein Einzelfall ist:

Whisky liegt mit geschlossenen Augen in der Badewanne vor einer lebenden Maus

Spitzmäuse werden ja grundsätzlich nicht gefressen, trotzdem bringen meine Miezen immer mal wieder eine mit. Wahrscheinlich weil sie so schön quietschen - was ich ganz furchtbar finde, weil sie mir so leid tun! Die Maus wird dann nur mit Interesse beobachtet. Wenn sie sich irgendwo unter einem Schrank oder hinter einem Regal verkriecht, wird auch tapfer gewartet, aber mehr als ab und zu mal einen Pfotenstupser muss die Maus nicht einstecken. Es bleibt dann mir überlassen, die Maus zu fangen. Mittlerweile bin ich wirklich gut in der Mäusejagd.

Ob und wie schnell ich den Katzen ihre Beute wegnehme, hängt von ihrem Verhalten ab. Grundsätzlich tendiere ich ja schon dazu, der Natur ihren Lauf zu lassen. Tote Beute, die sie ganz offensichtlich vorhaben zu fressen, lasse ich ihnen kommentarlos und lasse sie damit alleine. Lebende Beute, die ihnen entwischt ist, die sie aber noch mit großem Elan versuchen zu kriegen, lasse ich ihnen auch erst mal. Wenn ich aber sehe, dass kein großes Interesse besteht, selbst wenn ihnen die Maus vor der Nase herumtanzt oder wenn es eine Spitzmaus ist, die sicher nicht getötet wird, dann versuche ich sie natürlich möglichst schnell selber zu fangen und auszusetzen, solange sie noch unverletzt ist und bevor sie sich irgendwo unerreichbar in der Wohnung verkriecht. Auch Frösche, die nie gefressen werden, werden von mir sofort eingefangen und wieder ausgesetzt, auch wenn es mitten in der Nacht ist. Irgendwo habe selbst ICH meine Grenzen, und Frösche brauche ich nun wirklich nicht in der Wohnung.

Tipps zum Einfangen lebender Beutetiere

Lebende Beutetiere sollten übrigens immer von den Katzen unbemerkt ausgesetzt werden. Ein einziges Mal habe ich den Fehler gemacht, mit der quietschenden Maus vor Bailey herzulaufen und sie in den Garten zu setzen. Obwohl ich noch einen Vorsprung hatte und die Maus sofort in einen dichten Bodendecker setzte, wo sie sich verkriechen konnte, hat Bailey sie 5 Minuten später wieder aufgespürt und erneut ins Haus getragen. Jetzt gehe ich mit lebender Beute ins Stiegenhaus, schließe die Tür hinter mir, damit mich die Katzen nicht sehen, und setze sie durch ein ebenerdiges Fenster auf der Rückseite des Hauses (Katzenklappe ist auf der Vorderseite) ins Gras. So sehen die Katzen nicht, wo sie die Maus oder den Frosch wiederfinden, und da sie auf der anderen Seite des Hauses durch die Katzenklappe gehen und sich auch hauptsächlich auf dieser Seite des Gartens aufhalten, kommen sie auch nicht selber auf die Idee, da zu suchen. Als Entschädigung dafür, dass ich ihnen zu ihrem Unverständnis ihre mühsam erjagte Beute wegnehme, versuche ich sie dann hinterher mit einem besonderen Leckerli abzulenken.

Mäuse

Bei Mäusen habe ich inzwischen die perfekte Technik entwickelt. Anfangs habe ich eine hohe Katzenfutterdose verwendet, dann gewartet, bis die Maus in irgendeiner Ecke ist und dann die Dose davorgelegt, sodass die Maus irgendwann reinkrabbeln musste. War die Maus erst mal drin, habe ich die Dose aufgestellt, und durch die glatten Wände konnte sie nicht mehr herauskrabbeln. So konnte ich sie dann nach draußen tragen und in die Freiheit entlassen.

Dann habe ich irgendwann die Entdeckung gemacht, dass ich ja den genialsten Mäusefänger aller Zeiten zuhause habe, nämlich diesen hier:

Mein "Mäusefänger" - eine Kehrschaufel
Mein "Mäusefänger" - eine Kehrschaufel

Das ist eine ganz normale Kehrschaufel, die es mal bei Eduscho/Tchibo gab. Sie hat aber den unschätzbaren Vorteil, dass sie auch von oben ein Stück weit zu ist. Wenn die Maus also irgendwo der Wand entlang rennt oder sich in einer Ecke eingekeilt befindet, stelle ich die Kehrschaufel davor, nötigenfalls helfe ich auch mal sanft mit dem Besen nach, und schon ist die Maus in der Falle. Dann stelle ich die Kehrschaufel sofort hochkant auf, die Maus kann an den glatten Wänden nicht mehr heraus und ich kann sie schnell ins Freie tragen. Nur ein einziges Mal ist mir eine sich ganz besonders wild gebärdende Maus doch noch herausgehüpft. Das Geduldspiel dabei ist vielmehr, die Maus erst mal an eine Stelle zu kriegen, wo ich den Mäusefänger auch davorstellen kann (unter einem Schrank ist er leider nutzlos), denn man würde nicht glauben, wie schnell und wendig Mäuse sind. 

Eine andere Methode zum Mäusefang habe ich zufällig entdeckt, die aber etwas mehr Geduld erfordert. Einfach eine Wolldecke etwas zerknüllt am Boden liegen lassen, sodass die Maus Schlupflöcher oder Falten findet, wo sie sich verstecken kann. Wenn sie die Decke dann findet, krabbelt sie meist mittendrin in eine Falte und man kann sie mit der ganzen Decke hochheben und mit ins Freie nehmen.

Leider ist es nicht immer so einfach, dass die Maus in Sichtweite ist und keine unzugänglichen Versteckmöglichkeiten hat. Im Bad komme ich an alle Verstecke und kenne sie auch alle - wenn die Maus wirklich unauffindbar scheint, versteckt sie sich entweder unter der Personenwaage oder in einem Rad des Staubsaugers. Im Schlafzimmer kann sie fast nur hinter dem Bücherregal sein, das notfalls auch von der Wand gerückt werden kann. Schlimmer wird es, unter der Einbauküche oder unter dem Wohnzimmerschrank. Es hat ein paar Jahre gedauert, aber inzwischen habe ich gelernt, mich in Geduld zu üben. Im Hinterkopf spielt zwar noch immer mit, was wäre, wenn die Maus irgendwo an unzugänglicher Stelle am Schock verendet - wer schon einmal eine verwesende Maus gerochen hat, weiß, wie schlimm sowas riecht -, aber bis jetzt sind sie noch alle irgendwann wieder aufgetaucht, wenn sie sich in Sicherheit gefühlt haben. Es kann allerdings auch ein oder zwei Tage dauern, bis sie sich wieder zeigt. Selber kriege ich das meist gar nicht mit, aber meine Katzen zeigen es mir deutlich, indem sie mit der Jagd beginnen und ich so zumindest höre, dass die Maus wieder irgendwo sein muss. Ich habe es daher aufgegeben, alle paar Tage sämtliche Möbel zu verrücken, sondern warte inzwischen relativ gelassen, bis die Maus irgendwann von selber wieder rauskommt.

Frösche

Frösche sind zwar nicht so schnell wie Mäuse, aber durch ihre Sprungkraft nützt mein "Mäusefänger" gar nichts. Ich breche zwar nicht in Hysterie aus, wenn ich einen Frosch sehe, aber mit der Hand möchte ich ihn dann doch nicht fangen. Dafür nehme ich eine Plastikschüssel mit Deckel (es klappt auch mit einem Billig-Imitat, aber als Empfehlung für Tupper-Fans: Die größte der drei Schüsseln aus dem Wunderschüsselsatz eignet sich wunderbar... ). Erst stülpe ich die Schüssel wie eine Käseglocke über den Frosch, dann schiebe ich den Deckel langsam und vorsichtig darunter, sodass der Frosch am Rand der Schüssel nicht weiter zurückweichen kann und gezwungen ist, auf den Deckel zu krabbeln. Dafür ist es von Vorteil, wenn die Schüssel halbdurchsichtig ist, damit man sehen kann, dass man ihn nicht irgendwie einklemmt. Schon ist er in der Schüssel eingesperrt, und ich kann ihn hinaustragen.

Vögel

Vögel sind nicht so robust wie Mäuse, und um sie erst mal fassen zu können, müssen die Katzen schon sehr grob mit ihnen umspringen. Normalerweise sind Vögel schon so gut wie tot, wenn die Katzen sie nachhause bringen und können sich meist schon nicht mehr bewegen. Da bleibt dann nur noch die traurige Aufgabe, sie schnell und human zu erlösen.

Einige wenige Vögel, von denen ich gesehen habe, dass sie Whiskys Pfoten mal kurz entkommen und ein Stück davonflattern konnten, konnte ich dadurch retten, dass ich so getan habe, als wollte ich ihm die Beute abjagen und ihn so dazu gebracht habe, mit dem Vogel wieder nach draußen zu verschwinden. Einige sind ihm dann auch tatsächlich entkommen und davongeflogen.

Schwer verletzte Tiere erlösen

Wenn ich sehe, dass eine Maus oder ein Vogel dem Tode schon sehr nahe ist und sich kaum oder gar nicht mehr bewegen kann, erbarme ich mich und erlöse sie mit einem Schlag auf den Kopf. Das musste ich auch erst lernen, ich hasse es nach wie vor, ich muss mich jedes Mal extrem überwinden, und ich kriege das Bild danach stundenlang nicht mehr aus dem Kopf. Aber der Maus erspart es auf jeden Fall ein längeres Leiden und zu-Tode-quälen. Das muss ich mir auch immer wieder vorsagen, sonst könnte ich es nicht.


Wenn die Maus die Katze auslacht, ist bestimmt ein Loch in der Nähe.
Sprichwort

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