Missverständnisse und Irrtümer in der Katzenhaltung

Leider existieren immer noch so viele alte, überlieferte Meinungen zum Thema Katzenhaltung, dass ich es wichtig finde, hier mal aufzuklären.

Diese Liste mit Irrtümern fand ich im Forum von den Netz-Katzen und danke dem User Kater Gino, der sie dort gepostet hat, dass ich sie wörtlich übernehmen durfte. Der ursprüngliche Verfasser ist unbekannt, scheinbar ging dies vor einigen Jahren als E-Mail an unzählige Verteiler, es ist also davon auszugehen, dass es zur Informationsweitergabe gedacht war. Sollte sich dennoch jemand in einem Urheberrecht verletzt fühlen, bitte ich um Mitteilung und werde diese Punkte dann von der Seite nehmen bzw. selber formulieren.

Katzen sind Einzelgänger.

Das stimmt so nicht. Zwar gibt es Katzen, die keinen Artgenossen neben sich wünschen. Aber die meisten Katzen freuen sich über kätzische Gesellschaft, vor allem, wenn sie als Wohnungskatzen gehalten werden und sonst längere Zeit alleine sein müssten, weil ihr Mensch ja das Katzenfutter verdienen muss.

Eine Kätzin muss einmal geworfen haben, bevor sie kastriert wird.

Einer der schädlichsten Irrtümer, der leider sogar von Tierärzten noch verbreitet wird. Es gibt keinen gesundheitlichen Grund, eine Kätzin vor der Kastration werfen zu lassen. Unzählige gesunde Katzen von vernünftigen Haltern, die ihre Tiere rechtzeitig kastrieren ließen, beweisen das Gegenteil.

Kater werden kastriert, Kätzinnen sterilisiert.

Hier hat sich lediglich eine Begriffsverwirrung durchgesetzt. Bei der Kastration werden die Keimdrüsen (also Hoden oder Eierstöcke) vollständig entfernt. Bei der Sterilisation wird nur die Zeugungsfähigkeit verhindert, also der Samenleiter oder die Eileiter durchtrennt, was aber zur Folge hat, dass die hormonelle Situation unverändert bleibt - Kätzinnen würden weiter rollig, Kater weiter markieren. Nach heutigem Standard werden beide Geschlechter kastriert, die Sterilisation bringt für Tier und Halter keinen Vorteil.

Junge Katzen können von der Mutter getrennt werden, sobald sie alleine fressen.

Das wäre ab etwa der 6. Lebenswoche der Fall. Dies ist aber noch viel zu früh; bis etwa zur 12. Lebenswoche lernen kleine Katzen von ihrer Mutter und ihren Geschwistern noch wichtige Dinge im (Sozial-)verhalten. Deshalb sollte man als zukünftiger Katzenhalter, wann immer es geht, seine Jungkatze erst mit 12 Wochen zu sich holen.

Junge Katzen werden am Nacken hochgenommen, die Katzenmutter tut das ja auch.

Die Katzenmutter tut das nur bis etwa zur dritten Lebenswoche. Danach werden die Kätzchen zu schwer, und es tut ihnen weh, am Nackenfell hochgenommen zu werden. Darum bitte auch junge Katzen immer am Bauch und an den Beinen unterstützen beim Hochnehmen.

Katzen können sich bei einem Sturz nicht verletzen, sie fallen ja immer auf die Füße.

Das funktioniert erst ab einer gewissen Höhe, da die Katze sich im Fall auch drehen muss. Und selbst dann kann sie sich noch verletzen, auch wenn sie mit den Füßen aufkommt.

Katzen springen nicht vom Balkon / aus dem Fenster, sie wissen, dass das gefährlich ist.

Darauf darf man sich als Katzenbesitzer niemals verlassen. Das geht 9 Mal gut, und beim 10. Mal springt die Katze nach einem Vogel oder Insekt, wird vom Artgenossen erschreckt, oder verschätzt sich einfach im Sprung. Deshalb Balkons und Fenster lieber sichern.

Teebaumöl hilft gegen Ungeziefer.

Teebaumöl ist giftig für Katzen! Nicht sofort und abhängig vom Tier und der Konzentration, aber es gab schon Todesfälle dadurch. Im Umgang mit ätherischen Ölen ist allgemein Vorsicht angesagt, einige können ab einer gewissen Konzentration Krampfanfälle hervorrufen.

Wohnungskatzen müssen nicht geimpft und entwurmt werden.

Zumindest eine Grundimmunisierung gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen ist anzuraten, da beide Krankheiten auch von draußen hereingebracht werden können, z.B. an den Schuhen. Ob eine jährliche Auffrischung nötig ist, darüber kann man sich streiten, nach heutigen Erkenntnissen hält der Impfschutz wesentlich länger als ein Jahr an. Eine halbjährliche Entwurmung ist ebenfalls angebracht, auch hier können die Wurmeier/Larven von draußen eingeschleppt werden.

Wenn Katzen unsauber sind, drückt man ihre Nasen in den Urin, um sie davon abzuhalten.

Damit erreicht man höchstens, dass die Katze Angst bekommt und dann erst recht in die Ecken macht. Die Ursache muss gefunden werden, um Abhilfe zu schaffen.

Katzen wissen, was giftig für sie ist.

Leider nicht. Katzenhalter müssen für ihre Tiere "mitdenken", was giftige Pflanzen und sonstige Giftstoffe betrifft (z.B. Zigarettenstummel). Welche Pflanzen giftig sind, könnt ihr zum Beispiel in der Giftpflanzendatenbank der Uni Zürich nachschauen.

Kamille ist gut für's Auge.

Kamille ist zwar entzündungshemmend, verursacht aber am Auge durch feinste Partikel eher Reizungen. Darum sollte man zum Reinigen der Augen Wasser oder physiologische Kochsalzlösung verwenden (NaCl 0,9%).

Katzen können Gehorsam lernen.

Ein schwieriger Punkt. Katzen lassen sich zwar bis zu einem gewissen Grad erziehen (oder besser: durch Hartnäckigkeit ihres Besitzers überzeugen), aber gehorsam wie ein Hund werden sie nicht, dazu sind sie zu eigenständig. Was bedeutet, dass sie auch Sachen, von denen sie wissen, dass sie verboten sind, wieder machen werden, wenn sich die Gelegenheit bietet...

Wenn die Katze kastriert ist, geht der Jagdtrieb verloren.

Das stimmt nicht. Die Tiere werden zwar meist "häuslicher" und streunen nicht mehr so weit herum, aber auf den Jagdtrieb hat die Kastration keinen Einfluss.

Nur Kater markieren.

Zwar sind Kater dafür bekannt, bei Eintreten der Geschlechtsreife ihr Revier mit übelriechenden Duftmarken zu kennzeichnen, aber auch einige Kätzinnen "markieren", wenn sie rollig sind oder kurz davor stehen, indem sie Urinpfützen verteilen, obwohl sie sonst eigentlich sauber sind.

Nach der Kastration hört das Markieren sofort auf.

Es dauert etwas, bis die Hormone abgebaut sind. Wenn ein Kater schon längere Zeit vor der Kastration geschlechtsreif war und markiert hat, kann es auch sein, dass er dieses Verhalten als "Gewohnheit" beibehält.

Kätzinnen werden nur 2 - 3 Mal im Jahr rollig.

Wird eine Kätzin bei ihrer Rolligkeit nicht gedeckt, kann es passieren, dass sie sehr bald wieder rollig wird. Schlimmstenfalls endet das in einer Dauerrolligkeit, was extremen Stress für Tier und Mensch bedeutet. Wenn man nicht vorhat, seine Kätzin decken zu lassen, sollte man nach der (ersten) Rolligkeit nicht zu lange warten mit der Kastration. Es besteht auch die Möglichkeit, vor der ersten Rolligkeit zu kastrieren, darüber kann man sich bei seinem Tierarzt und im Internet informieren.

Katzen können im Dunkeln sehen.

Ein weiterer "Irrtum" - Katzen sehen bei völliger Finsternis. Das ist falsch. Sie besitzen am Augenhintergrund eine reflektierende Schicht, das Tapetum lucidum ("Leuchtender Teppich"), die (Rest)licht doppelt auf die Netzhaut zurückwirft. In völliger Dunkelheit funktioniert auch das nicht - zweimal null ist auch null.


Jede Katze, der es misslungen ist, eine Maus zu erwischen, gibt vor, sie wäre nach einem welken Blatt gesprungen.
Charlotte Gray

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