Mitgebrachte Beute

Ich habe mir vor Anschaffung der Katzenklappe ausreichend Gedanken darüber gemacht, dass ich auch mit erjagter Beute rechnen und umgehen muss und war darauf vorbereitet, dass auch Beute ins Haus gebracht werden wird. Zugegeben, an Frösche und Regenwürmer hatte ich dabei nicht gedacht, und nachdem ich seit 30 Jahren keine Blindschleiche mehr gesehen habe, hielt ich sie zumindest hier für ausgestorben. Meine Katzen haben mich dann doch mit der Vielfältigkeit ihrer Beute in Erstaunen versetzt.  

Welche Erlebnisse mir meine Katzen mit ihren Beutezügen und ihren gut gemeinten Geschenken bescheren, kann man regelmäßig im Blog nachlesen, wo ich zwar nicht über jedes mitgebrachte Tierchen eine Geschichte verfasse, aber wo ich dann doch über die spektakulärsten berichte. Wer genau wissen möchte, in welchem Umfang ich beglückt werde, findet das in der Beutestatistik.

Whisky mit einer Maus im Flur

Auch hier nochmal: Katzen sind Raubtiere, und das Jagen gehört zu ihrer Natur. Nur weil ich ihnen die Jagd zugestehe und sie in vollem Umfang Katzen sein lasse, heißt das nicht, dass mir die gequälten und getöten Tiere egal sind. Ich bin nicht nur Katzenliebhaberin, sondern überhaupt ein Tiernarr. Ich mag Mäuse! Ich finde, sie sind putzige Tierchen mit wunderschönen Knopfaugen, und ich sehe es nicht gerne, wenn sie von Katzen gequält werden. Es reißt mir das Herz heraus, wenn ich eine Spitzmaus auf der Flucht ängstlich quietschen höre. Noch schlimmer ist es, wenn eine Maus oder ein Vogel so gut wie tot ist, aber noch atmet und ich das Tier dann selber erlösen muss, um ihm weiteres Leid zu ersparen. Es ist furchtbar für mich, ein Tier zu töten, selbst im Bewusstsein, dass ich es tun muss, um ihm einen langen Todeskampf zu ersparen. Aber wenn ich mir Katzen möglichst artgerecht halte, muss ich auch mit deren Jagdtrieb leben und umgehen können, auch wenn es mir nicht gefällt.

Übrigens, selbst wenn man es eklig findet, wenn Katzen Mäuse fressen oder der Meinung ist, bei dem heutigen Angebot an Katzenfutter hätte sie das nicht nötig, sollte man sich trotzdem darüber freuen und dankbar sein. Die Maus ist nicht nur die hochwertigste Katzenernährung überhaupt, an die kein industriell hergestelltes Katzenfutter herankommt, weil sie alle von der Katze benötigten Nährstoffe in einem optimalen Mischungsverhältnis bereitstellt. Auch frischer kann Futter nicht mehr sein. Zusätzlich erhält die Katze nur durch das Zerlegen von Beutetieren und dem Zerkleinern von Fleisch und Knochen die Zahnpflege, die sie braucht. Das wird auch kein Zahnpflege-Katzenfutter je ersetzen können.

Die wunderbare Vielfalt

Hier mal ein kurzer Überblick, welch kuriosen Geschenke mir meine Katzen schon in die Wohnung geschleppt haben:

  • Spitzmäuse
  • Hausmäuse oder Waldmäuse (zumindest sind das Mäuse in der Größe, wie man sie normalerweise in Mausefallen findet...)
  • riesige dicke Feldmäuse (Wühlmäuse?)
  • Vögel
  • Regenwürmer
  • Frösche
  • Blindschleichen
  • Libellen
  • lebende, riesige, dicke, brummende Nachtfalter mit einer Spannweite von wohl etwa 8 cm
  • Grillen und Heuschrecken
  • Käfer

Leider ist es nicht so, dass diese Beutestücke einfach bereits tot ins Haus gebracht und irgendwo abgelegt werden. Das wären mir nämlich die liebsten. Wer sich eine Katze ins Haus holt, weil er denkt, dass er damit nie wieder Mäuseprobleme hat, sollte noch ein bisschen weiterlesen... ich habe nämlich erst ein Mäuseproblem, seit ich Katzen habe. 

Gerade Spitzmäuse, die die Katzen ja nicht fressen, die aber so herrlich quietschen, werden lebend mitgebracht und nur beobachtet und ein bisschen mit ihnen gespielt, aber sie werden normalerweise nicht getötet. Auch andere Mäuse werden manchmal und Frösche ausnahmslos immer lebend gebracht und keine Anstalten gemacht, sie zu töten und zu fressen. Um meine Wohnung nicht zum Asyl für verfolgte Katzenbeute werden zu lassen, bleibt mir dann nichts anderes übrig, als sie selber wieder einzufangen und auszusetzen.

Ich habe das Glück, dass meine Katzen aus mir unerfindlichen Gründen mit jeder mitgebrachten Beute immer ins Bad verschwunden sind und sie auch dort gefressen haben. Das war auf dem Fliesenboden sehr praktisch und die Spuren einfach zu beseitigen. Irgendwann verlagerten sie den Fressplatz dann sogar in die Badewanne. Was für ein Glück so etwas ist, wird einem erst bewusst, wenn es plötzlich mal anders ist. Dieses Jahr hat Bailey plötzlich angefangen, ihre mitgebrachten Mäuse im Schlafzimmer zu fressen - noch dazu bevorzugt auf der Plüsch-Bodenplatte des Kratzbaumes, die nicht einfach abgewischt oder in die Waschmaschine gesteckt werden kann, was sich deshalb nicht mehr mit meinen Ansichten von Hygiene deckt. Ich habe auch schon ein Blutbad auf dem Parkettboden beseitigt oder in mühevoller Kleinarbeit Vogelfedern aus dem Flokati-Teppich geklaubt. Ich weiß nicht, was Bailey plötzlich dazu bewogen hat, und ich habe ihr die Beute dann jedes Mal unter großem Protest weggenommen und in die Badewanne getragen. Oft hat sie sie dort dann keines Blickes mehr gewürdigt. Inzwischen ist es schon eine Weile nicht mehr vorgekommen, und ich hoffe, dass es so bleibt.

Auch im Bett bleibe ich glücklicherweise davon verschont, zumindest gefressen wurde noch nie ein Beutetier im Bett. Es passiert aber manchmal, dass eine Maus beim Spielen und Hochwerfen auf dem Bett landet und ich davon erwache, wie sie dann dort weitergejagt wird. Nach einem 5-tägigen Krankenhausaufenthalt sorgten meine Katzen auch einmal so rührend für mich, dass mir Whisky einen Vogel auf die Couch brachte und ich am anderen Morgen beim Aufwachen eine tote Maus neben meinem Kopfkissen fand. Beides war bis dahin noch nie vorgekommen und ist auch später so nicht wieder passiert.

Ja, mit einer Katzenklappe darf man keine Angst vor Mäusen oder sonstigem Kleingetier haben, denn mit ihnen muss man immer und überall rechnen. Wer Bilder wie dieses nicht aushält, sollte besser von vornherein auf eine Katzenklappe verzichten.

Bailey spielt im Badezimmer mit einer Maus

Ich habe auch nicht schlecht gestaunt, als ich einmal bei offener Terrassentüre im Wohnzimmer saß, als ein Sommergewitter kam und kaum dass der Regen eingesetzt hatte, plötzlich ein Frosch hinter dem Schrank hervor mitten durch's Wohnzimmer gehüpft kam, der offensichtlich hinaus in den Regen wollte.  Normalerweise merkt man es den Katzen sofort an, wenn sich eine Maus irgendwo versteckt hat. Es passiert aber auch, dass sich lebende Mäuse unter einen Schrank flüchten können und die Katzen irgendwann das Interesse verlieren. Da kann es schon vorkommen, dass man beispielsweise ruhig lesend und still auf der Couch sitzt und plötzlich eine Maus zur Tür hereinspaziert. Kürzlich glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Ich habe nachts zwar gehört, dass eine Mäusejagd stattgefunden hat, aber als ich irgendwann später das Licht anmachte, um die Maus selber zu fangen, fand ich sie auf der Vorhangstange balancierend!

Mittlerweile bin ich einfach nur erleichtert, wenn es "nur" Mäuse sind, denn Blindschleichen, noch fliegende dicke Nachtfalter oder Frösche finde ich sehr viel ekliger.

Ich kann aber inzwischen auch aus 4-jähriger Erfahrung sagen, dass man sich irgendwie tatsächlich dran gewöhnt und gelassener wird. Man wird zwar sicher nie in Begeisterung ausbrechen - ich bin nach wie vor genervt, wenn ich mitten in der Nacht aufstehen muss, um einen Frosch zu fangen. Aber mit der Zeit weicht die anfängliche Hysterie ("Hilfe, wie krieg ich die Maus wieder unter dem Schrank hervor?") mehr einer Genervtheit à la "Muss das sein???" oder "Nicht schon wieder!".


Was von einer Katze geboren ist,
wird Mäuse fangen.
Sprichwort

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