Schneelabyrinth

Whisky und Bailey spazieren durch's Schneelabyrinth

Die Idee zum "Schneelabyrinth" entstand bereits im ersten Winter meiner Katzen. Es zeichnete sich nämlich schnell ab, dass dies nicht die bevorzugte Jahreszeit meiner Miezen ist. Es lag nicht allein an der Kälte, sondern vielmehr auch am Schnee, der ihnen äußerst suspekt war.

Whisky hat immerhin noch kurze Abstecher in den frisch gefallenen Schnee unternommen, Bailey hingegen saß stur auf dem schmalen, schneefreien Streifen auf der Terrasse und sah mich vorwurfsvoll und tödlich beleidigt an. Sie zog den Kopf ein, plusterte den Hals auf und hob demonstrativ eine Pfote, um ja nicht mehr als nötig mit der Kälte in Berührung zu kommen. Sie setzte keinen Fuß in frischen Pulverschnee - auch nicht, wenn es nur 3 cm waren.

Da beide als Freigänger an uneingeschränkten Auslauf und viel Bewegung gewöhnt waren, zeigte sich auch im Haus, dass die Katzen nicht ausgelastet und unausgeglichen waren. Bailey forderte jeden Abend ihre 2 - 3 Stunden dauernde Spieleinheit, Whisky konzentrierte sich hingegen auf Bailey und machte vermehrt Jagd auf sie. Es musste etwas geschehen, die Katzen brauchten mehr Auslauf. Also hatte ich die Idee, im ebenen Rasenteil des Gartens eine Art"Winterwanderwegenetz" zu erschließen, indem ich schaufelbreite Wege öffnete. Das sah dann etwa so aus:

Schneelabyrinth bei geringer Schneehöhe

Ich hatte noch keine zwei Meter geschaufelt, als sich die schneeverachtende Bailey an meine Fersen heftete und mir Schritt für Schritt auf dem neu geschaufelten Weg folgte. Der Schnee lag damals wohl etwa 20 cm hoch - gerade so hoch, dass die Katzen einander nicht direkt oder höchstens an den Ohrenspitzen sehen konnten. So ergab sich fast ein Labyrinth, das Anreiz für wilde Verfolgungsjagden bot, bei denen man sich wunderbar verstecken und einander auflauern konnte.

Whisky und Bailey jagen einander im Schneelabyrinth
Whisky und Bailey jagen einander im Schneelabyrinth

Und plötzlich war es auch gar nicht mehr schlimm, wenn man bei einer wilden Jagd versehentlich im Pulverschnee landete. Auch von mir geworfenen Schneebällen wurde gerne nachgejagt. Noch interessanter war es für die Katzen, wenn ich mittendrin im Labyrinth statt nur auf der Terrasse stand. Dass meine Idee so einschlagen würde, hätte ich wirklich nicht erwartet. Auch Nachbarskatzen sah man regelmäßig auf ihren Spaziergängen vorbeikommen.

Das Problem begann, als immer mehr Schnee kam. Das Labyrinth erforderte damit einiges an Arbeitseinsatz, denn sobald auch nur wenige Zentimeter Pulverschnee lagen, war es für die Katzen nicht mehr interessant. Also hat die um das Wohl der Katzen immer bemühte Dosenöffnerin bei jedem Schneefall teilweise mehrmals täglich brav die Schaufel geschwungen. Es konnte durchaus passieren, dass ich zu Fuß zur Arbeit ging, weil ich morgens nach dem Schaufeln der Katzenwege meine eigene Einfahrt nicht mehr geschafft habe.

In zwei schneereichen Wintern mit teilweise 60 cm Schneehöhe hätte ich beinahe das Handtuch geworfen. Ich wusste nicht mehr wohin mit dem vielen Schnee, und die Haufen wurden immer höher und höher. Der trockene Pulverschnee, den ich oben auf einen Haufen geworfen habe, ist meist fast zur Gänze wieder an den steilen Wänden heruntergerieselt. Ich war wirklich bis zum Letzten gefordert, wie man am Größenvergleich auf den Fotos deutlich sieht:

Die Dosenöffnerin beim Schaufeln - die Schneehaufen sind schon fast so groß wie ich.
Die Dosenöffnerin beim Schaufeln - die Schneehaufen sind schon fast so groß wie ich.
Whisky sitzt im Schneelabyrinth
Whisky sitzt zwischen hohen Schneewänden

Wie das für die Nachbarn ausgesehen haben muss und was sie sich dabei gedacht haben, möchte ich besser nicht wissen.  

Nichtsdestotrotz hat sich das Schneelabyrinth in den letzten Jahren bewährt. Es ist kein Allheilmittel gegen die Langeweile im Winter, denn bei Minusgraden bleiben die Katzen nun mal nicht gerne länger draußen. Aber an schönen und sonnigen Tagen legen wir immer wieder 15 - 30-minütige Spieleinheiten draußen ein, außerdem kommen die Katzen immer mit, wenn ich beim Schaufeln bin und haben damit auch schon wieder ein bisschen Abwechslung.

Bailey, die im Haus im Winter gern von Whisky gejagt wird, der größen- und gewichtsmäßig deutlich überlegen ist, hat draußen auf dem griffigeren Boden wieder den Vorteil ihrer Schnelligkeit und gewinnt dann etwas an Selbstvertrauen, sodass sie auch mal den Spieß umdreht und ihrerseits Jagd auf Whisky macht.

Bewusst verzichtet habe ich übrigens auf Höhlen oder sonstige "Bauwerke". Ich hatte einfach Angst, dass der Schnee an wärmeren Tagen zu sehr aufweicht oder anfängt zu schmelzen, die Höhlen dann einsturzgefährdet sind und eine Katze darin verschüttet werden könnte. Wer seinen Katzen Höhlen im Schnee bauen möchte, sollte das besser mit einer einsturzsicheren Bretter-Unterkonstruktion tun.

 

Weil die Idee bei meinen Katzen so gut angekommen ist, habe ich sie an die Katzenzeitschrift "Geliebte Katze" geschickt, in der sie dann tatsächlich in der Ausgabe Nr. 4/April 2006 veröffentlicht wurde. Hier geht's zum Artikel.

Noch mehr Bilder von meinem Schneelabyrinth findet man in der Diashow und vom Schneelabyrinth aus dem bisher schneereichsten Winter 2009 gibt es inzwischen sogar ein Video aus Katzensicht.


Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt:
durch's Leben zu gehen, ohne Lärm zu machen.
Ernest Hemingway

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