Die Sinne der Katze

Der Sehsinn

Katzen haben durch die Größe ihrer Augen ein sehr viel weiteres Blickfeld als der Mensch. Im Überschneidungsbereich beider Pupillen, also gerade vor sich, sehen Katzen innerhalb von 2 - 6 Metern Entfernung sehr scharf und können kleinste Bewegungen wahrnehmen. Im unmittelbaren Nahbereich hingegen, also direkt vor ihrer Nase, sehen sie fast gar nichts, weil dort bereits die Tasthaare diese Funktion übernehmen - das erklärt auch, wieso Katzen oft nicht reagieren, wenn man direkt vor ihrer Nase mit einem Spielzeug herumwedelt.

Eine Besonderheit ist die Sehfähigkeit in der Nacht - Katzen haben quasi ein Nachtsichtgerät eingebaut. Die Reflexschicht in ihrem Augenhintergrund, das sog. "tapetum lucidum", funktioniert wie ein Spiegel, der das Licht zurück zur Netzhaut wirft und so bestmöglich ausnützt. Diese reflektierende Schicht ist übrigens der Grund, wieso Katzenaugen auf Fotos oftmals wie leuchtende Scheinwerfer wirken. Aber entgegen der oft verbreiteten Annahme können Katzen bei völliger Dunkelheit auch nichts sehen - denn wenn kein Licht da ist, können sie ihre Fähigkeit auch nicht nützen. Dennoch können sie sich aufgrund des ausgezeichneten Gehörs- und Tastsinnes auch bei völliger Dunkelheit trotzdem sehr gut orientieren.

Früher wurde angenommen, dass Katzen farbenblind sind, das scheint nach heutigen Erkenntnissen jedoch nicht zu stimmen. Das Farbensehen bei Katzen ist aber noch nicht ausreichend erforscht.

Der Gehörssinn

Das Gehör einer Katze übertrifft nicht nur das des Menschen, sondern sogar das von Hunden bei weitem. Die Beweglichkeit der Ohren bewirkt zusätzlich noch ein "räumliches" Hören, d.h. sie können kleinste Bewegungen - z.B. die einer Maus, die sie gar nicht sehen - hören und allein mit den Ohren verfolgen.

Dieses empfindliche Gehör erfordert aber auch immer eine Art "Einstellung" auf neue Geräusche. Katzen sind nicht nur beim ersten Freigang extrem schreckhaft und brauchen einige Tage oder Wochen, bis sie sich auf die Umgebung eingestellt haben, sondern sie reagieren oft auch bei neuen und ihnen noch unbekannten Geräuschen im Haus (z.B. neues Musikinstrument), auch wenn diese gar nicht laut sind, sehr schreckhaft, bis sie gelernt haben, es einzuordnen.

Bei einem so empfindlichen Gehör wird auch klar, dass Glöckchen, die den Katzen gerne umgebunden werden, reine Tierquälerei sind. Was für uns ein zartes, leises Klirren ist, ist für die Katze eine ständige, laute Beschallung, als würden wir vergleichsweise den ganzen Tag eine Kirchenglocke um den Hals tragen.

Der Tastsinn

Katzen haben nicht nur die typischen Barthaare und die gut sichtbaren Tasthaare über den Augen, sondern diese Tasthaare finden sich auch seitlich am Kopf und an der Rückseite der Vorderpfoten. Diese Tasthaare sind beweglich, und jedes ist mit einer einzelnen Nervenfaser verbunden. Katzen spüren damit jede kleine Erschütterung, ja sogar den sanftesten Luftzug.

Die Schnurrbarthaare können aber noch viel mehr. Wer schon einmal Kontakt mit einem blinden Menschen hatte, weiß, dass dieser Gegenstände in einem Raum oft akustisch wahrnehmen und Hindernisse "hören" kann. Bei Blinden ersetzt also der Gehörssinn einen Teil des Sehsinnes. Ähnlich funktionieren die Schnurrbarthaare der Katze, nur dass hier der Tastsinn diese Aufgabe übernimmt. Jeder Gegenstand, jeder Körper verursacht Luftwirbel - also Störungen innerhalb der normalen Luftströmung. Mit den Schnurrbarthaaren ist die Katze in der Lage, diese Luftwirbel zu analysieren und räumlich zu "sehen", d.h. die Katze kann in völliger Dunkelheit im Bruchteil einer Sekunde nur mit den Schnurrbarthaaren z.B. den Körperumriss ihres Opfers erkennen, ohne dieses auch nur zu berühren.

Diese Fähigkeit erklärt auch, wieso Katzen bei völliger Dunkelheit Hindernissen aus dem Weg gehen können und man deshalb immer noch häufig fälschlicherweise annimmt, sie können auch bei totaler Finsternis noch sehen. Damit wird auch sehr schnell klar, wie wichtig die Schnurrbarthaare für die Katze sind und was für eine körperliche Behinderung es für sie wäre, wenn diese abgeschnitten würden.

Da die Zehenballen der Katze eher unempfindlich sind - was ihnen z.B. ermöglicht, auch im Winter "barfuß" zu gehen -, übernehmen die Tasthaare das "Gefühl" in den Pfoten.

Wärme können Katzen lediglich mit der Nase erkennen - der Nasenspiegel ist der einzige Wärmesensor, den sie haben. Das zeigt, wie wichtig es ist, sie vor dem Verbrennen an heißen Gegenständen wie heißen Herdplatten oder brennenden Kerzen zu schützen, denn wenn sie diese mit der Nase erreichen, ist es meist schon zu spät.

Der Geruchssinn

Der Geruchssinn ist für Katzen immens wichtig, und zwar nicht nur in Bezug auf ihr Jagdverhalten, sondern gerade unter Katzen läuft Kommunikation hauptsächlich über Gerüche ab. Katzen können an Duftmarkierungen anderer Katzen genau herauslesen, welche Katze wann dort vorbeigekommen ist. Danach können sie dann ihren Tagesablauf ausrichten, je nachdem, ob sie die betreffende Katze treffen oder ihr aus dem Weg gehen wollen. Gerade deshalb können Katzen auf neue Gerüche sehr empfindlich und verunsichert reagieren, und man sollte auch darauf verzichten, die Katze unnötig intensiven Gerüchen (wie z.B. aus Duftlampen) auszusetzen. Sabine Schroll, die Autorin des Katzenbuches "Miez, miez, - na komm!", vergleicht die Wichtigkeit von Gerüchen für Katzen mit der Wichtigkeit von Farben für den Menschen.

Katzen haben überdies noch ein spezielles Organ, das Vomeronasal-Organ, mit dem sie Pheromone analysieren können. Pheromone sind ganz spezielle Duftnoten, die der Kommunikation zwischen Lebewesen über Duftbotschaften dienen und mit denen Tiere "markieren". Dazu gehören z.B. Sexual-Lockstoffe. Das Vomeronasal-Organ besteht aus zwei winzigkleinen Öffnungen hinter den Schneidezähnen im Oberkiefer. Wenn die Katze "flehmt", fächelt sie mit der Zunge Luft durch diese Öffnungen, hält dabei den Mund leicht geöffnet und sieht dabei etwas dümmlich durch die Gegend, während sie den Duft analysiert. Interessant ist, dass dieser Duft gar nicht bis zum Gehirn gelangt, sondern unbewusst bleibt, aber trotzdem die Emotionen wesentlich beeinflussen kann.

Spezielle Pheromon-Stecker für die Steckdose, die z.B. bei der Zusammenführung von Katzen oder verhaltensauffälligen Katzen gerne zum Einsatz kommen, bauen darauf auf. Sie sollen durch Pheromone der Katze unbewusst ein Wohlfühl-Klima vermitteln und ihr die Unsicherheit nehmen.

Der Geschmackssinn

Katzen können sauer, salzig und bitter unterscheiden. Lange wurde angenommen, dass sie die Geschmacksrichtung süß gar nicht schmecken können. Inzwischen hat man herausgefunden, dass Katzen sehr wohl einen süßen Geschmack wahrnehmen können, allerdings nur schwach. Das erklärt, warum in der Praxis dennoch viele Katzen auf Zucker zu reagieren scheinen, und Katzen, die einmal an zuckerhältiges Futter gewöhnt waren, sich nur schwer wieder auf zuckerfreies umstellen lassen.

Oft wird behauptet, dass bei einem Futter nicht der Geschmack, sondern der Geruch wichtiger ist, weil Katzen einen schlechten Geschmackssinn haben. Tatsächlich ist dieser aber so fein, dass selbst Wasser für sie nach etwas schmeckt. So erklärt sich, wieso viele Katzen Regenwasser oder Wasser aus einem Gartenteich dem Leitungswasser vorziehen. Tatsächlich nutzt die Katze beide Sinne, wobei sie mit dem Geruchssinn das Fett und mit dem Geschmackssinn die Art und Frische des Eiweiß in der Nahrung überprüft.

Dass der Geschmackssinn doch sehr ausgeprägt sein muss, zeigen mir meine Katzen. Die haben die Macke entwickelt, dass sie erst mal eine Kostprobe des Futters auf dem Finger serviert bekommen wollen und dann entscheiden, ob es sich lohnt, zum Napf zu gehen. Bailey bleibt dafür gerne einen Meter vor dem Napf sitzen (wo sie das intensiv riechende Nassfutter also bereits sehr deutlich riechen könnte!) und fordert ihre Kostprobe; bei Whisky gibt die Qualität der Probe überhaupt erst den Ausschlag, ob seinen Schlafplatz verlässt und in die Küche kommt, und wenn ja, mit welcher Geschwindigkeit. Da sind tatsächlich markante Unterschiede zu beobachten...

Der Gleichgewichtssinn

Der Gleichgewichtssinn der Katze ist legendär. Durch einen angeborenen Regulierungsreflex kann sich die Katze bei einem Sturz in der Luft blitzschnell so drehen, dass sie (fast) immer auf den Pfoten landet. Der Schwanz dient dabei als Ruder.

Das heißt natürlich nicht, dass sich die Katze bei solchen Stürzen nicht verletzen kann - darauf sollte man sich niemals verlassen und Balkone und Fenster immer ausreichend sichern.


Eine Katze hört gern, wenn du sie rufst. Sie sitzt in einem Busch nur einen Meter entfernt von deinem Schuh – und lauscht.

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