Unerwünschtes Verhalten korrigieren

Wenn eine Katze ein für den Besitzer "unerwünschtes Verhalten" zeigt, sollte man sich vor allem anderen überlegen, ob dieses Verhalten nicht vielleicht ein natürlicher Trieb, ein Instinkt oder einfach nur ganz normales Katzenverhalten ist. Arteigene Bedürfnisse wie Kratzen, Markieren, Klettern, Spielen oder Jagen dürfen der Katze nicht verwehrt werden, ein Minimum an artgerechtem Verhalten muss ihr selbstverständlich erlaubt sein und ermöglicht werden. Auch sollte niemals eine Katze für etwas bestraft werden, das sie aus Angst tut. Allein schon aus diesen Gründen sollte sich wirklich jeder Katzenhalter auch ein bisschen über das Verhalten von Katzen informieren. 

Wer eine Katze beispielsweise als Strafe ein paar Stunden in einem Zimmer einsperrt, weil sie einen Singvogel gefangen hat, wird damit niemals Erfolg haben. Das ist der angeborene Jagdtrieb der Katze, der sich nun mal nicht abstellen lässt. Die Katze kann die Strafe nicht mit der Handlung in Verbindung bringen und weiß nicht, wie ihr geschieht. So eine Maßnahme ist daher nur eine unnötige, weil völlig sinnlose Quälerei für die Katze, die sie höchstens verunsichert und verängstigt; womöglich erleidet sie durch das Einsperren stattdessen ein Trauma und hat zukünftig auch noch Angst vor geschlossenen Räumen. Wem hat es genützt? Weder der Katze noch dem Besitzer.

Auch das Kratzen gehört zu einem angeborenen Verhalten, mit dem die Katze nicht nur Krallenpflege betreibt, sondern für sie wichtige Duftmarkierungen setzt. Dieses Verhalten wird sie niemals ablegen - und wenn ihr nur das Sofa zur Verfügung steht, wird sie eben dieses als Kratzgelegenheit benutzen.

Wer seiner Katze solches Verhalten abgewöhnen will, muss daher zuerst selber die Voraussetzungen für den Erfolg, nämlich Alternativen, schaffen. Steht der Katze ihr eigener Kratzbaum, ein Kratzbrett oder ihr eigenes Stück alter Teppich an einer ansprechenden Stelle der Wohnung zur Verfügung, kann sie, wenn sie an den Möbeln kratzt, sanft zur vorgesehenen Kratzgelegenheit gebracht und ihr das Kratzen dort gezeigt werden, es kann im Spiel nachgeholfen werden (z.B. Schnur am Kratzbaum hochziehen) oder es gibt sogar spezielle Katzenminzesprays, die manchmal auch helfen sollen. Aber eine Katze zu schimpfen oder gar zu bestrafen, ohne dass sie überhaupt eine andere Möglichkeit zur Auslebung ihres natürlichen Verhaltens hätte, ist nicht nur falsch, sondern wird auch niemals Erfolg haben.

Genauso ist es der absolut falsche Weg, unnütz, erfolglos und ganz einfach Tierquälerei, noch nicht stubenreine Kätzchen mit der Nase in den eigenen Kot zu stecken. Katzen sind sehr saubere Tiere und im allgemeinen schon nach wenigen Wochen stubenrein. Ist das nicht der Fall, muss es einen Grund dafür geben. Statt die Katze zu bestrafen, sollte man sich Gedanken machen, warum sie nicht die Katzentoilette benützt: Ist sie zu weit weg? Schlecht zugänglich? Ist sie wirklich sauber? Ist es eine Haubentoilette, womöglich noch mit Klappe, die die Katze nicht annimmt? Ist sie an einer unruhigen Ecke der Wohnung, wo die Katze gestört wird? Hat die Katze vielleicht auf der Katzentoilette schon mal schlechte Erfahrungen gemacht (z.B. Erschrecken durch plötzlich schleudernde Waschmaschine, Mobbing durch andere Katzen im Haushalt)? Ist die Katze gesund, oder könnte es körperliche Ursachen haben?

Unerwünschtes Verhalten, das nichts mit den natürlichen Trieben der Katze zu tun hat, sollte am besten "anonym" korrigiert werden, d.h., es sollte für die Katze eine negative Erfahrung sein, die sie unmittelbar mit der Situation, nicht aber mit dem Menschen in Verbindung bringt. Die "Folgen" muss die Katze innerhalb einer Sekunde zu spüren bekommen, ansonsten kann sie sie nicht mehr mit der Situation in Verbindung bringen.

Soll die Katze also davon abgehalten werden, auf die Küchenarbeitsplatte zu springen, wird gerne empfohlen, dort etwas zu platzieren, das beim Sprung laut scheppernd - aber natürlich ohne die Katze zu verletzen - zu Boden fällt, beispielsweise ein Karton, der etwas übersteht und auf dem sich einige Münzen, Kieselsteinchen oder ein Schlüsselbund befinden. Empfohlen wird hier gerne eine Dose, die mit Münzen oder Kieselsteinen gefüllt ist, aber ich persönlich würde keine Garantie abgeben, dass die Katze damit wirklich nicht verletzt wird.

Auch das Abkleben solcher Stellen mit doppelseitigem Klebeband wird gerne empfohlen, weil es für die Katze unangenehm ist, irgendwo festzukleben.

Eine Methode, von der ich sonst noch nirgendwo gelesen habe, die aber sehr einleuchtend klingt, empfiehlt Martina Braun in ihrem Buch "Kätzisch für Nichtkatzen": Soll die Katze nicht auf den Esstisch springen, sollte jede unangenehme Prozedur für die Katze (z.B. Tablettengabe, Bürsten, Zeckenentfernung, Auftragen von Spot-On zur Parasitenbekämpfung...) immer genau dort durchgeführt werden. Dann verbindet die Katze den Ort mit etwas unangenehmem.

Als "Erziehungsmittel" erster Wahl wird generell die Blumenspritze oder Wasserpistole empfohlen. Wasser tut der Katze nicht weh, kann sie nicht verletzen, ist aber trotzdem unangenehm für sie. Ich sehe das Problem darin, dass die "Bestrafung" ja innerhalb einer einzigen Sekunde erfolgen soll. Wer hat schon den ganzen Tag eine Wasserpistole im Gürtel stecken?

Manchmal hilft es auch, laut in die Hände zu klatschen, weil die Katze zumindest kurzfristig erschrickt. Weniger anonym ist ein lautes "Schschsch!" oder "Pssssssst", es hat sich aber auch schon bewährt. Aber Vorsicht! Der Schuss kann - wie bei uns - auch nach hinten losgehen, denn es bedeutet auch Aufmerksamkeit, wenn der Besitzer in Sekundenschnelle aufspringt und sich verbal an die Katze wendet. Die Lautstärke ist dann für die Katze zweitrangig. Bailey hat sich die paar wenigen Dinge, die ich ihr je unter Schimpfen und lauten "Pssssst"-Rufen verboten habe, alle ausnahmslos gemerkt und nutzt sie noch heute als Erpressungsmittel, wenn sie sich langweilt und meine Aufmerksamkeit will. Ich habe gelernt, dass es sehr viel einfacher ist, sich von den Katzen erziehen zu lassen und akzeptable Alternativen zu suchen (z.B. Gefahrenquellen anders zu entschärfen), als ihnen etwas zu verbieten.

Manchmal kann auch ignorieren helfen, z.B. wenn man der Katze beibringen will, dass sie sich beim Spielen nicht in die Hände des Menschen verbeißen darf. Dann sollte das Spiel sofort für ein paar Minuten unterbrochen und die Katze ignoriert werden.

Betteln lässt sich einzig mit eiserner Konsequenz abstellen. Eine Katze, die auch nur ein einziges Mal erfolgreich am Tisch gebettelt hat, bei der man auch nur einmal schwach geworden ist, wird es immer wieder versuchen. Katzen vergessen einen Erfolg nicht so schnell. Da hilft nur stark bleiben. Aber ob das im Mehrkatzenhaushalt ausreicht, wo die zweite Katze die Wurst vom Brot klaut, während man noch dabei ist, die erste vom Tisch auf den Boden zu setzen, lasse ich jetzt auch mal dahingestellt... Es kann aber auch hier wieder eine Alternative helfen: Entweder legt man die Katzenmahlzeiten auf den Zeitpunkt der Menschenmahlzeiten, sodass die Katze gleichzeitig ihre eigene Mahlzeit an ihrem eigenen Fressplatz bekommt, oder man spendiert ihr eben auch ein Leckerli - selbstverständlich ebenfalls am Boden oder an ihrem Fressplatz. Auch wenn man sagen könnte, dass man damit ja die Katze über den Menschen stellt, indem sie ihr Essen noch vor ihm bekommt, sind mir persönlich solche Methoden sympathischer, als die Katze mit ständigem Schimpfen, Anschreien oder unsanftem Wegschubsen zu verunsichern und zu stressen.

Wer die Katze nicht ins Schlafzimmer lassen möchte, schafft das ebenfalls nur mit Konsequenz und Ignorieren. Wenn man auch nur einmal schwach wird, weil die Katze besonders lange und nervtötend miaut, hat man auch schon verloren. Wenn sie es einmal geschafft hat, wird sie es immer wieder versuchen - mit noch mehr Durchhaltevermögen.

Zum Thema Bestrafung kann ich nur sagen, dass ich persönlich gegen jede Art von Bestrafung einer Katze bin. Bestrafung, die vom Halter kommt, ist bei Katzen meist sinnlos. Anschreien oder Schimpfen verunsichert die Katze nur, was zu weiteren Problemen führen kann. Eine verunsicherte, gestresste Katze kann noch ganz andere unerwünschte Verhaltensweisen zeigen, schlimmstenfalls anfangen zu markieren. Oder das Schimpfen wird - wie oben schon beschrieben - als Aufmerksamkeit und daher als Belohnung statt als Strafe gesehen.

Absolut falsch und überdies völlig sinnlos ist Bestrafung, die zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt, beispielsweise wenn der Halter morgens die schon in der Nacht heruntergerissene Gardinenstange entdeckt.  Die Katze hat keine Ahnung, wofür sie bestraft wird, wenn das nicht spätestens innerhalb einer Sekunde (!) erfolgt. Auch das macht wieder deutlich, wie sinnlos und unnötig es ist, die Katze mit der Nase in ihre Hinterlassenschaften zu stecken. Man kann es einfach nicht oft genug betonen, um dieser jahrelang überlieferten grausamen "Erziehungsmethode" endlich ein Ende zu setzen.

Als "milde Erziehungsmaßnahmen", z.B. um die Katze von etwas abzuhalten, kann man versuchen, ihr leicht ins Gesicht zu pusten (ähnelt dem Fauchen der Katzenmutter) oder ihr mit dem Finger leicht einmal auf die Stirn zu klopfen (auch Katzemütter maßregeln ihre Jungen schon mal mit einem Pfotenhieb). Das ist aber schon das einzige, was an "Bestrafung" noch tolerierbar ist. Unter keinen Umständen tolerierbar hingegen sind Schläge oder andere körperliche Schmerzen, die man der Katze zufügt, Verstümmeln der Barthaare, Einsperren oder Nahrungsentzug.

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