Verletzungen

Grundsätzlich sind Katzen sehr zäh und Verletzungen bleiben oft sogar völlig unbemerkt. Je besser man seine Katze kennt, umso eher werden einem Veränderungen auffallen. Untypisches Verhalten sollte IMMER ein Warnsignal sein, auch wenn die Katze sonst gesund erscheint. Das kann eine Unruhe sein, sodass die Katze von einem Ort zum nächsten tigert und nirgendwo Ruhe zu finden scheint, eine untypische Haltung, ein Verkriechen, ein Knurren. Bailey hat mich in 4 Jahren nur dann angeknurrt, wenn sie wirklich schwer verletzt war. Wenn Bailey bei Berührung knurrt, weiß ich noch in der selben Sekunde, dass wirklich Alarmstufe Rot ist.

An dieser Stelle muss ich nochmals betonen, dass ich weder Tierarzt bin noch sonst mit Tiermedizin zu tun habe oder dafür ausgebildet wäre. Ich habe im Laufe der letzten Jahre an meinen eigenen Katzen diverse Verletzungen miterlebt und möchte hier ganz einfach von meinen Erfahrungen berichten.

Weil meine Katzen in der Transportbox und erst recht beim Autofahren halb wahnsinnig werden, Whisky bereits einmal sein halbes Fell beim Tierarzt abgeworfen hat, obwohl es nur ein kurzer Impftermin war, Bailey ein extrem traumatisches, schmerzhaftes Erlebnis mit einer Abszessbehandlung hatte und beide Katzen für Stunden verschwunden sind, sobald ich das Gitter für die Transportbox auch nur aus der Schublade nehme, versuche ich ihnen den Tierarztbesuch, wenn es irgendwie geht, zu ersparen. Das heißt nicht, dass ich nie einen Tierarzt zu Rate ziehe, aber ich versuche immer erst, ob es mit einer telefonischen Beratung oder z.B. zur Wundkontrolle mit einer E-Mail mit Foto irgendwie auch zu erledigen ist. In vielen Fällen konnte ich meinen Katzen den Stress des Tierarztbesuches so ersparen, weil der Tierarzt außer Antibiotikagabe auch nichts anderes hätte tun können. Dennoch ist mir bewusst, dass das nicht unbedingt das richtige Verhalten ist und ein Tierarztbesuch immer sicherer ist.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man leichte Verletzungen, kleine Kratzer, Blutungen, einfach in Ruhe lässt, die heilen oft sehr schnell von selber ab. Auch ein Humpeln, bei dem sichergestellt ist, dass nur eine Verletzung an den Ballen oder zwischen den Zehen der Grund ist, heilt von selber wieder. Bei etwas größeren offenen Wunden ist zumindest eine telefonische Rücksprache mit dem Tierarzt angesagt, ob aufgrund eines Infektionsrisikos Antibiotika gegeben werden sollten.

Meine bisherigen Erfahrungen an meinen eigenen Katzen haben mich gelehrt, dass es ein Alarmzeichen ist, wenn eine Katze eine Wunde sehr lange und ausdauernd leckt, oder sich sogar Fell und Haut aufleckt. Ein weiteres Zeichen ist, wenn die Katze an der Umgebung, an der sie gesessen/gelegen ist, oft schnuppert. Bei uns war das ausnahmslos immer das Zeichen, dass Eiter da ist. Dann ist auf jeden Fall Antibiotikagabe angesagt, weil meiner Erfahrung nach eiternde Wunden zwar nach Eiterabfluss wieder zuheilen, aber meist noch etwas davon unter der Haut verbleibt und sich erneut entzündet oder sich ein Abszess bildet.

Eiter kann auch ein Zeichen für einen Abszess sein, der für die Katze nicht nur extrem schmerzhaft ist - selbst Schmerzmittel verschaffen ihr kaum Linderung -, sondern auch lebensgefährlich werden kann, wenn sich der Abszess nach innen öffnet und sich der Eiter aus dem bis dahin abgekapselten Abszess ins Körperinnere entleert. Das kann bis zur Blutvergiftung führen.

Abszesse entstehen bei Katzen leider sehr schnell, v.a. durch Bissverletzungen von anderen Katzen. Spitze Katzenzähne verursachen nur winzige Wunden, die sofort wieder zuheilen und deshalb normalerweise auch vom Halter unbemerkt bleiben, aber die Bakterien werden eingeschlossen, und es entzündet sich.

Meine Katze Bailey hatte einmal einen Abszess, und diese Qual, sie so unter dem Schmerzen leiden zu sehen, möchte ich nicht noch einmal mitmachen. Entdeckt habe ich es erst, als sie sich immer wieder die selbe Stelle am Rücken wund leckte. Sie leckte buchstäblich erst das Fell weg und dann ein Loch in die Haut. Und immer, wenn die Wunde gerade dabei war, wieder zuzuheilen, leckte sie sie erneut auf. Das ging 2 Wochen lang so, bis ich dachte, es wäre überstanden, weil die Wunde tatsächlich wieder zugewachsen war. Und plötzlich leckte sie sie wieder auf, aber ein paar Zentimeter neben der früheren, verheilten Wunde. Da sah ich zum ersten Mal größere Mengen Eiter austreten. Ein Besuch beim Tierarzt zeigte einen sehr großen Abszess, der - weil er schon offen war - leider ohne Narkose gereinigt wurde. Bailey hatte dabei sehr starke Schmerzen. Sie bekam Leukase-Kegel unter die Haut, die das Wundsekret verflüssigen, um dessen Abfluss zu fördern, sowie eine Depot-Spritze Antibiotika, die 3 Tage wirken sollte. Zuhause verkroch sie sich hinter das Bett und traute sich 2 Tage lang nicht mehr hervor. Sie hatte die schmerzhafte Behandlung mit mir in Verbindung gebracht und hatte panische Angst, in meiner Gegenwart hervorzukommen. Zu Toilettengängen muss sie ihr Versteck aber wohl zwischendurch verlassen haben.  Das war für mich so ziemlich das Schlimmste, was ich je erlebt habe - nicht nur zu sehen, dass meine Katze solche Schmerzen hat, sondern dass sie Angst vor mir hat. Nach 2 Tagen, in denen die Wunde sauber anfing zu verheilen, zeigte sie sich endlich wieder, und mir ist ein wahrer Felsbrocken vom Herzen gefallen.

Allerdings war leider nicht alles überstanden. Die Antibiotikagabe war wohl zu kurz, denn einige Wochen später sah ich wieder an ihrer Haltung, dass irgendwas nicht stimmte. Als ich sie hochnehmen wollte, knurrte sie mich an, was sie sonst NIE macht. Mit vorsichtigem Betasten fand ich dann heraus, dass der Schmerz in der Nähe des inzwischen verheilten Abszesses sein musste, also bin ich diesmal sofort zum Tierarzt. Der fand beim Abtasten nichts, das auf einen Abszess hindeutete, zumal auch eine typische "Beule" fehlte, und diagnostizierte eine verstauchte Schwanzwurzel. Die Schmerzen wurden 2 Tage lang trotz Schmerzmitteln nicht besser, dann fing sie wieder an zu lecken, und wieder trat Eiter aus. In Absprache mit der diensthabenden Wochenend-Tierärztin musste ich Bailey nicht in die Praxis bringen, da der Eiter bereits abfließen konnte, allerdings sind wir übereingekommen, dass ich diesmal mit der Antibiotikagabe auf Nummer sicher gehen und sie eine volle Woche lang geben soll. Damit ist der Abszess dann zum Glück auch endgültig abgeheilt.

Ich habe aus dieser Geschichte gelernt, welchen unglaublichen Instinkt Katzen haben müssen, wie sie sich selber behandeln können. Ich konnte mir dieses ständige Wundlecken nicht erklären, konnte einfach nicht verstehen, warum sie sich ständig solche schmerzhaften Verletzungen zufügt, und war mit den Nerven fertig. In Katzenforen wurde mir geraten, der Katze vom Tierarzt einen Trichter umlegen zu lassen, damit sie nicht mehr lecken kann - ich habe das aber immer wieder hinausgeschoben, weil ich mir den Grund noch nicht erklären konnte. Tatsächlich hat sie instinktiv versucht, die ursprüngliche Wunde, also die vermutliche Bisswunde, offen zu halten, um Wundsekret abfließen lassen und damit Bakterien herausspülen zu können. Als der Eiter bereits unter der Haut und der Abszess reif war, hat sie ihn ebenfalls instinktiv von außen geöffnet. Wer jetzt noch sagt, Katzen seien keine intelligenten und faszinierenden Tiere, der ist wohl mit keinem Argument zu überzeugen.

Kürzlich hatte Whisky ein ähnliches Leckverhalten an einem Zehenballen, an dem ich aber keine Verletzung finden konnte. Ich wartete also erst mal ab. Wunden werden ja anfangs immer erst mal eine Weile geleckt, aber wenn der Schmerz nachlässt, auch bald wieder in Ruhe gelassen. Ich bemerkte aber, dass er sich immer wieder erneut aufleckte und es dann sogar blutete, was vorher nicht der Fall gewesen war. Einen Tag später leckte er die Zehe wieder, allerdings von oben, also an einer ganz anderen Stelle. Meine Vermutung war sofort: Eiter. Kurz darauf sah ich auch tatsächlich Eiter austreten und konnte sofort Antibiotika geben, die ich für solche Fälle immer zuhause habe, weil so etwas natürlich immer am Wochenende passiert. Noch am selben Tag hörte er auf zu lecken, am nächsten Tag war die Wunde verschlossen, also habe ich die Behandlung nach den üblichen 3 Tagen beendet.

 


Erwehrt euch der scheinheiligen Katzen, die vorne lecken und hinten kratzen.
Aus den Niederlanden

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