Grundlegende Überlegungen vor Anschaffung einer Katze

Katzen sind Lebewesen, die wie jedes andere Lebewesen Respekt und Achtung verdienen. Sich aus einer momentanen Laune heraus für eine Katze zu entscheiden oder als Beschäftigung, Anschauungsobjekt oder Spielkamerad für die Kinder, ist der falsche Ansatz.

Katzen können bis zu 20 Jahre alt werden. Das ist - wie die Katzenbuch-Autorin Sabine Schroll vergleichend erwähnt - länger, als heute eine durchschnittliche Ehe dauert! Dies sollte man sich vor der Anschaffung ganz klar vor Augen halten und sich bewusst fragen, ob man bereit ist, die nächsten 20 Jahre für die Katze zu sorgen mit allem, was dazugehört, und sie nicht, sobald der erste Urlaub ansteht, ins Tierheim abzuschieben. 

Ich werde immer sehr traurig, wenn ich von Katzen höre, die im Tierheim landen, nur weil die Besitzerin schwanger wird. In vielen Fällen müsste das gar nicht sein, wenn man sich ausreichend informieren würde. Genaueres dazu habe ich bei den Krankheiten zum Thema Toxoplasmose beschrieben.

Viele Katzen werden auch abgegeben, sobald ein Baby da ist. Begründet wird das dann mit mangelnder Hygiene, weil das Kind am Boden spielt, oder der Angst, die Katze könnte ein Baby im Schlaf ersticken oder ein Kleinkind mit den Krallen verletzen. Natürlich kann man keiner Mutter einen Vorwurf machen, wenn sie ihr Kind so gut wie möglich beschützen will, dazu hat sie alles Recht der Welt. Aber wenn man sich eine Katze ins Haus holt, sollte man deshalb schon vorher überlegen, wie man zu diesem Thema steht und ob sich eine Katze mit der späteren Familienplanung vereinbaren lässt.

Auch wenn Katzen durch ihr selbständiges Wesen im Gegensatz zu Hunden weniger Ansprache brauchen und sich gut alleine beschäftigen können, heißt das nicht, dass es ausreicht, ihr 1x täglich das Futter hinzustellen und sie ansonsten wie ein Möbelstück zu behandeln. Gerade Wohnungskatzen brauchen viel Beschäftigung, die ihren angeborenen Jagdtrieb befriedigt, den sie in der Wohnung ansonsten nicht ausleben können.

Niemand wünscht es sich, aber auch Katzen können krank werden. Das ist ein Punkt, der finanziell sehr oft unterschätzt wird. Wird ein Mensch krank, werden die Behandlungskosten in den allermeisten Fällen von der Krankenversicherung übernommen. Das ist bei Katzen nicht so, deshalb können Krankheiten oftmals wirklich teuer werden. Da kann eine Operation nach einem Knochenbruch schon mehrere hundert Euro oder die längerfristige Behandlung einer chronischen Krankheit tausende Euro kosten. Eine Katze nur deshalb einschläfern zu lassen, weil es billiger als eine Tierarztbehandlung ist, sollte niemals zur Debatte stehen!

Katzen sind zwar grundsätzlich sehr saubere Tiere, aber auch sie machen "Dreck". Selbst die saubersten Wohnungskatzen verlieren Haare, erbrechen auch mal Fellknäuel oder schleppen die Streu aus der Katzentoilette an den Pfoten ein Stück weit mit. Freigänger schleppen besonders bei Regen an den Pfoten Dreck mit ins Haus oder bringen schon mal Beutetiere mit, deren Entsorgung dann dem Halter überlassen bleibt.

Katzen sind zwar sehr geschmeidige Wesen, aber beim Spielen und Toben oder wenn die Katze ihre "närrischen 5 Minuten" hat, kann es dennoch passieren, dass hin und wieder etwas zu Bruch geht. Da kann es schon ausreichen, wenn die Katze eine Fliege im Visier hat und diese verfolgt, ohne auf die Umgebung zu achten. So sind bei mir während der paar Monate des jugendlichen Spieltriebes doch einige dieser dünnen Gardinenstangen in der Mitte durchgebrochen, als Whisky zu schwer für sie wurde, wenn er sich bei der Fliegenjagd an die Gardine hängte.  

Es gibt keine Katzen in "Bodenhaltung". Es ist unmöglich zu verhindern, dass eine Katze auf Tische oder Möbelstücke springt. Und wer der Meinung ist, er könne seine Katze dahingehend erziehen, der weiß trotzdem nicht, was sie in seiner Abwesenheit macht. Wer dennoch glaubt, dies schon mal geschafft zu haben, der hatte vielleicht einfach die richtige Katze dazu. Meine Katze Bailey hat wirklich ALLES gespeichert, was ich ihr je verboten habe und setzt dieses Wissen auch 4 Jahre später noch schamlos ein, wenn sie Aufmerksamkeit will. Nur weil mein Kater Whisky das eben nicht macht, heißt es nicht, dass ich es geschafft habe, ihn zu erziehen.

Und nicht zuletzt sind 2 Punkte ganz wichtig: Persönlichkeit und Instinkt.

Jede Katze ist eine eigene Persönlichkeit mit ihrem eigenen Wesen, das wie bei Kindern bei jeder Katze anders ist. Die Einen sind sehr genügsam und selbständig, andere fordern ständige Aufmerksamkeit. Auch darauf muss eingegangen werden, um die Katze nicht seelisch verkümmern zu lassen. Wenn eine Katze ständig bespielt und unterhalten werden will, dann hat sie auch das Recht auf diese Aufmerksamkeit, genauso wie eine Katze, die die Ruhe liebt und lieber auf Abstand geht, das Recht hat, sich zurückzuziehen und nicht ständig zwangsgeknuddelt zu werden.

Und zuallerletzt ein Punkt der mir sehr am Herzen liegt: der kätzische Instinkt. Katzen sind nun mal Katzen und keine Menschen. Das heißt, man sollte sie auch Katzen sein lassen und nicht versuchen, ihre natürlichen Instinkte und Bedürfnisse zu unterdrücken.

Katzen sind Raubtiere und fressen nun mal Fleisch. Ihr ganzer Verdauungstrakt ist darauf ausgelegt. Eine Katze vegetarisch zu ernähren, ist in meinen Augen Tierquälerei (näheres dazu auch unter dem Punkt Ernährung). Wer dies aus ethischen Gründen mit sich selber nicht vereinbaren kann, der entscheidet sich besser für pflanzenfressende Haustiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen, anstatt sich eine Katze zuzulegen, ohne die Bereitschaft, sie artgerecht zu halten.

Freigängerkatzen fangen auch Beute. Das hat die Evolution in Jahrmillionen so eingerichtet, auch wenn es uns grausam vorkommt. Die Natur ist nun mal grausam, aber nur so konnten so viele Arten bis heute überleben. Es ist ganz egal, dass die Katze es heute nicht mehr nötig hätte, weil sie zuhause einen gefüllten Napf mit dem teuersten Futter hat. Das ist ein Ur-Instinkt, der tief in der Katze drinsteckt und sich nicht abstellen lässt. Es ist sinnlos und zeugt von Unverständnis, eine Katze dafür zu schimpfen oder gar zu bestrafen, wenn sie auch mal einen Singvogel fängt. Das ist ihr angeborener Jagdtrieb, gehört zum Katze-Sein dazu und ist vom Menschen so zu akzeptieren, auch wenn es uns nicht gefällt.

Wer mit diesen Punkten nicht leben kann oder versucht, sie zu ändern, dem fehlt in meinen Augen das Grundverständnis für diese wunderbaren Tiere und der sollte sich besser keine Katze halten.


"Was du auch tust, behandle uns nie wie Hunde. Wir holen keine Zeitungen oder Pantoffeln. Wenn du einen Diener willst, dann miete dir einen Hund. Wenn eine Katze sich auf den Rücken rollt und sich tot stellt, dann hast du ein Problem. Wir haben, im Gegensatz zu Hunden, keine Bosse nötig."
Morris die Katze

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