Whiskys Rekordbeutezug

Das war vielleicht eine Nacht!

Angefangen hat es bereits gestern abend. Ich hatte Besuch von einem Finanzberater (geschniegelt und gebügelt mit Anzug und Krawatte). Beide Miezen sind selbstverständlich überängstlich, machen den größtmöglichen Bogen um den Besuch, trauen sich kaum rein oder raus. Aber von der Jagd lässt sich Whisky trotzdem nicht abhalten, zumal es nicht nur von der Schneeschmelze ziemlich nass draußen ist, sondern auch noch leicht regnet. Ein ideales Wetter für seine Lieblingsbeute: Regenwürmer. 

Ich bin also ins Gespräch mit dem Besuch vertieft, als Whisky durch die Katzenklappe kommt, im Galopp durch die Küche rast - seine Beute, einen dicken, fetten, langen Regenwurm unübersehbar in der Schnauze. Naja, vielleicht wäre es dem Besuch ja gar nicht aufgefallen, wenn mir nicht unüberlegt ein "Whisky, das müsste jetzt wirklich nicht sein!" rausgerutscht wäre. Ich erröte und stammle entschuldigend was von lehmigem Boden, wo das Wasser nicht ablaufen kann und deshalb Regenwürmer eine leicht gefundene Beute sind.

Es vergeht kaum eine Stunde (der Besuch ist immer noch da), als Whisky wieder durch die Katzenklappe reinkommt. Diesmal ist es der Besuch, der mich auf die Beute hinweist. Ich reagiere diesmal schon deutlich gelassener, das heißt aber nicht, dass es mir nicht immer noch peinlich wäre.

Ein bisschen Hektik kommt auf, als sich der Besuch verabschiedet - ich muss ja schließlich vorauslaufen und die Beutestücke entfernen. Während der Besuch beinahe den ersten Wurm zermatscht hätte, klaube ich den zweiten und dann auch den "geretteten" ersten mit einem Stück Toilettenpapier und erstaunlicher Gelassenheit auf und versenke die toten Regenwürmer in der Toilette. Der Besuch scherzt beim Abschied noch über weitere Beutestücke, ich bin mir aber sicher, dass das Thema erledigt ist, schließlich waren 2 Stück pro Nacht immer das Maximum.

Wieder alleine, will ich mich den Miezen widmen, die diesen Abend etwas zu kurz gekommen sind. Bailey legt sich gleich zum Schlafen hin, Whisky ist draußen, also setze ich mich mit einem Buch auf die Couch. Es dauert keine 5 Minuten, bis die Katzenklappe mit einem verdächtig lauten Geräusch aufgeht. Ich erstarre.  Ich hoffe noch. Die Hoffnungen gehen allerdings den Bach runter, als Whisky nicht sofort ins Wohnzimmer kommt, aber auch keine Fress-, sondern eher Kratzgeräusche hörbar sind. Ich gehe nachschauen. Der 3. Regenwurm wurde geliefert, ist schon nicht mehr interessant, Whisky ist schon wieder auf dem Sprung nach draußen. Ich gönne mir erst mal eine Zigarette, die Katzen gehen mit raus, ich gehe danach wieder rein und entsorge unauffällig Wurm Nummer 3.

Die Katzen machen später keine Anstalten, mit ins Bett zu gehen, sondern sind wieder draußen... Ich ahne schlimmes, während ich im Bett noch ein bisschen lese. Tatsächlich kommt kurze Zeit später Whisky wieder durch die Katzenklappe und saust in vollem Galopp ins Schlafzimmer. Allerdings springt er nicht auf's Bett, sondern rumort vor dem Bett. Alarm! Leider wieder richtig geraten. Regenwurm Nummer 4 windet sich auf dem Bettvorleger, und Whisky ist ganz stolz. Ich habe ein ungutes Gefühl mit einem lebendigen, schleimigen Regenwurm neben dem Bett und entsorge ihn vor Whiskys Augen. Für's erste scheint Ruhe zu sein, Whisky legt sich auf die andere Hälfte des Bettes und putzt sich. Erleichtertes Aufatmen, ich traue mich endlich, einzuschlafen.

Nächster Akt: irgendwann nachts zwischen 0.00 und 02.00 Uhr. Meine Blase drückt. Trotz Halbschlaf bin ich so geistesgegenwärtig, Licht zu machen und erst mal nachzusehen, wo ich hintrete. Tatsächlich hat sich Regenwurm Nummer 5 auf dem Bettvorleger eingefunden, ich hole wieder mal ein Blatt Toilettenpapier, um den Wurm gleich mit runterzuspülen. Erledigt - ich atme auf. Das hält leider nur bis zum Rückweg ins Schlafzimmer an, als Whisky auf der 2. Doppelbetthälfte irgendwas beobachtet. Genaueres Hinschauen - natürlich. Mit den Würmern Nummer 6 und 7 wurden tatsächlich erstmals Beutestücke auf dem Bett deponiert. Auch diese müssen - so leid es mir tut - vor Whiskys Augen beseitigt werden. Ich schaue nochmal etwas genauer, finde nichts und schlafe erleichtert wieder ein.

3. Akt, der Morgen danach.
Nach dieser Nacht ahne ich schlimmes und schaue sehr genau, bevor ich gaaaaanz vorsichtig aus dem Bett steige. Selbstverständlich wartet auf dem Bettvorleger inzwischen Regenwurm Nummer 8 und wird gleich entsorgt. Ich bin misstrauisch. Das kann noch nicht alles sein. Tatsächlich! Wurm Nummer 9 wurde auf der anderen Seite des Bettes auf dem 2. Bettvorleger abgelegt, Nummer 10 wurde wenigstens schon gleich neben der Katzenklappe auf dem Schuhabstreifer gelassen. Nach gründlichem Umschauen - endlich aufatmen. Aber jeder gute Roman hat auch einen Epilog, und so entdecke ich nach dem Frühstück, dass die Kehrschaufel in der Ecke nicht so steht wie immer, sondern ziemlich verschoben wurde. Ich hebe sie an und ... entdecke Regenwurm Nummer 11.

Den ganzen Vormittag sitze ich zitternd im Büro, weil ich mir nicht auszumalen wage, was mich mittags zuhause erwartet - aber glücklicherweile ist es bei diesem Ergebnis geblieben.


Diese erschöpfende Ausbeute an Regenwürmern ist dann auch fast das Ende der Regenwurm-Leidenschaft von Whisky gewesen. Er hat dann in dem Jahr nur noch ein paar einzelne gebracht, im Jahr darauf nur noch ein oder zwei und dann gar keine mehr. Eigentlich müsste ich erleichtert sein. Tatsächlich ist es aber so, dass ich mich jetzt bei Regen manchmal frage, ob mir die Regenwürmer nicht lieber wären, denn die bevorzugte Beute bei Regen sind inzwischen nämlich lebende FRÖSCHE!!! Gegen DEN Adrenalinkick, wenn ich sie mitten in der Nacht wieder einfangen muss, würde mir ein Regenwurm wohl nur noch ein genervtes Augenrollen entlocken.


 "Some people say that cats are sneaky, evil, and cruel. True, and they have many other fine qualities as well."
Missy Dizick

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